LilaBlog

DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

42,195 – Ein Buch für Jogger und Läufer

42195Damit das klar ist: Es gibt eindeutige Unterschiede zwischen Joggern und Läufern. Ersterer läuft von Anfang an beschwingt und gut gelaunt. Er ist nicht daran interessiert, Persönliche Bestzeiten zu laufen oder Kilometer zu sammeln. Der erste Kilometer ist ebenso so locker wie der letzte und ist die Ampel mal rot, dann wird einfach auf der Stelle weitergetrabt. Für den Läufer dagegen ist der erste Kilometer in jeder Einheit von Neuem eine Qual und erst nach einer gewissen Distanz erreicht er die Betriebstemperatur. Er trainiert für Bestzeiten und nimmt an Wettbewerben teil. Er läuft nicht, wenn ihm mal gerade danach ist, sondern wenn es der Trainingsplan verlangt. Er weiß: Der Schmerz gehört dazu. Diese und andere Erkenntnisse höchst subjektiver und nur gelegentlich empirischer Art finden sich in Matthias Polityckis "42,195: Warum wir Marathon laufen und was wir dabei  denken". Das Buch ist nicht einfach ein weiteres der vielen vielen Bücher über "das Laufen", sondern beschreibt eine Passion aus der Sicht des Passionierten. Politycki findet einen angenehmen Ton zwischen Ironie und Sachlichkeit und zeigt auf jeder Seite eine selbstreflektierende Leidenschaft für seinen Sport. Er beleuchtet in etwas mehr als 42 Kapiteln die unterschiedlichsten Facetten rund um das Laufen. Ähnlich wie Haruki Murakami (in dessen ebenso empfehlenswerten "Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede") und doch wieder ganz anders stellt er hin und wieder Parallelen zum Schreiben her (Politycki ist Autor), hält diese Vergleiche aber deutlich im Hintergrund. Es ist ein Buch, dass einem so kurzlebig vorkommt wie ein guter Marathon. Den "Mann mit dem Hammer", der für sein Auftauchen im letzten Drittel berüchtigt und gefürchtet ist, braucht man dabei nicht zu erwarten. Im Gegenteil: Man ist nicht erleichtert oder stolz, es bis zum Ende durchgehalten zu haben, sondern hätte sich noch viele viele Kapitel mehr gewünscht - vielleicht, wie bei einem abwechslungsreichen Ultramarathon. Ein tolles Buch - natürlich vor allem für Läuferinnen und Läufer - das mir übrigens von Peter Tauber empfohlen worden ist, der nicht nur Politiker, sondern ebenfalls leidenschaftlicher Runner ist. Die Lektüre Polityckis Werks macht Spaß und es motiviert dabei auch noch, selbst nochmal eine Trainingseinheit nachzulegen. Besser kann ein Buch nicht laufen. Lesen! Matthias Politycki 42,195 - Warum wir laufen und was wir dabei denken Hoffmann und Campe Weitere Infos und Leseprobe: hier.  

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.