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DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

Meditation und Fluchtmodus – Die Liebe zum Bahntraining

img_1985.jpgLaufen ist ein Volkssport. Nach einer Studie vom IfD Allensbach gibt es derzeit etwa 11 Millionen Läuferinnen und über 12 Millionen Läufer. Die Menschen laufen durch Städte, über Wiesen, durch Täler und auf Berge. Manche verbinden das Ganze noch mit Schwimmen und Radfahren und werden zu Triathleten. Und doch gibt es immer noch viele, die Laufen langweilig finden. Das ist in Ordnung. Jeder muss die Sportart für sich finden, die am besten passt. Eine Sonderform des Laufens ist das Bahntraining. Und selbst von passionierten Läufern höre ich immer wieder Fragen wie: "Sag mal, wie schaffst Du das eigentlich, 50 Runden und mehr im Kreis zu laufen? Das ist doch total eintönig und demotivierend..." Ich gebe zu, das Bahntraining habe ich für mich erst zu Beginn dieses Jahres so richtig entdeckt, weil ich Alternativen für Tempoeinheiten auf dem Laufband gesucht habe. In Berlin ist es außerdem kein Problem, einen öffentlich zugänglichen Sportplatz zu finden. Dass mir das erst jetzt, in meinem dritten Jahr in dieser Stadt auffällt... nun ja. Wie sehr ich es liebe, durch die Stadt zu laufen, sie zu ERlaufen, habe ich ja an anderer Stelle schon beschrieben. Aber daneben gibt es seit einigen Monaten nun noch etwas anderes: Die Bahn. Das Training dort dient als perfekter Gegenpart zum Stadtlauf und ich gehe mindestens 4 mal die Woche auf meine Hausbahn in Pankow - vor allem in den frühen Morgenstunden. Es ist herrlich, mit dem Tempo zu spielen, Intervalle zu laufen, verschiedene Formen des Fahrtspiels auszuprobieren und runden- oder kilometerweise ans Limit zu gehen. Ebenso schön ist es, es einfach laufen zu lassen: 5 Runden, 10 Runden, 50 Runden. Mal schneller, mal langsamer. Bereits nach den ersten 400 Metern merkt man den "Flow", in den man sehr schnell kommt, wenn man, ohne auf andere Dinge achten zu müssen, einfach nur LAUFEN kann. Keine Autos, keine Radfahrer, keine Fußgänger, keine Hunde, keine Ampeln, keine Unebenheiten - nichts: Das pure und reine Laufgefühl, der Tunnel in seiner Reinform. Man muss sich auf nichts anderes konzentrieren, als auf seinen Körper und kann nicht nur ihm, sondern auch den Gedanken freien Lauf lassen. Wenn man irgendwann, nach 5 bis 6 Kilometern die Beine nicht mehr spürt, weil sie sich wie von selbst bewegen, dann ist das wie Meditation, die totale Fokussierung auf das Wesentliche. Da ich fast immer mit Musik trainiere, erfahre ich das perfekte Zusammenspiel von Physis und Psyche. Die Musik treibt an oder entspannt zusätzlich. Es ist fast wie ein Tanz, die Verschmelzung von Bewegung und Musik zu einem meditativen Rhythmus. Bei den harten Tempoeinheiten dagegen, geht es einzig um die Schnelligkeit, das (Aus-)Powern, das vollständige Ausklammern von allem, was nichts damit zu tun hat, möglichst schnell voran zu kommen. Die ansonsten so abgegriffene Metapher des "Kopf-Freimachens" - hier trifft sie auf den Punkt. Es bleibt einfach kein Platz für anderes, wenn man im Fluchtmodus um die Kurven hetzt. Die Bahn bietet keine besonders spannenden äußeren Eindrücke. Aber sie bietet eine faszinierende Art der Introspektion, den Fokus auf sich. Ich muss dann oft an das sprichwörtliche "Bei-Sich-Sein" denken, von dem man immer wieder hört. Ich wusste nie so recht, was das eigentlich bedeutet. Wenn ich die Kopfhörer aufsetze, meine Runden drehe - langsam, schneller, am Limit - dann weiß ich es.

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