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DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

Schmerzende Beine und ein überlaufendes Endorphinfass – Der #BerlinMarathon 2014

Für Außenstehende ist es kaum nachvollziehbar, was in einem vorgeht, wenn man nach 42 Kilometern mit schmerzenden Beinen und einem längst übergelaufenen Endorphin-Fass auf der Straße des 17. Juni vom Lauf- in den Trab-, in den Geh-, in den Steh- und schließlich in den Liegemodus umschaltet. Es ist nicht zu verstehen, wie man völlig erschöpft und doch überglücklich, wie man zugleich froh und ein wenig wehmütig darüber sein kann, dass eine stundenlange körperliche Qual (ist es das denn wirklich?) vorbei ist. Und  vielen kann man vermutlich auch nicht erklären, wie man kurz nach der bedingungslosen Verausgabung seine Mitläufer fast umgehend nach dem Anmeldetermin für das nächste Jahr fragt, anstatt ein „Nie wieder“ gen Himmel zu brüllen. Fast eine Million Zuschauer konnten das vielleicht auch nicht nachvollziehen, standen aber trotzdem jubelnd, singend und tanzend auf den Straßen dieser großartigen Stadt, die man an diesem Sonntag des 41. Berlin-Marathons von ihrer allerbesten Seite erleben konnte. Mein Ziel, den Marathon unter 3 Stunden zu laufen, habe ich erreicht. Weil ich viel und hart trainiert habe, weil ich zum richtigen Zeitpunkt den Energiespeicher nachgeladen habe – was Dank einer hervorragenden Versorgung auf der Strecke kein echtes Problem war – aber eben auch, weil einfach alles gepasst hat: Das Wetter war mit 15 Grad und strahlendem Sonnenschein ebenso weltrekordverdächtig wie eine fehlerfreie, unaufgeregte und damit weltrekordverdächtige Organisation, die, eben weil sie so reibungslos lief, den Sportlern die Möglichkeit gab, sich auf den Lauf und nicht auf die kleinen Ärgernisse eines Massenevents zu konzentrieren. Lediglich über das neu eingeführte Losgefahren bei der Startplatzvergabe sollte man sich nochmal Gedanken machen, wenn nun herauskommen sollte, das rund 10.000 Angemeldete nicht angetreten sind. Ich bin froh, ohne Musik in den Ohren gelaufen zu sein, denn zum Eindruck eines solchen Events gehört auch die fantastische Geräuschkulisse, die sich aus den obligatorischen Trommelgruppen, Techno aus aufgestellten Lautsprecherboxen am Straßenrand, Volkstanzgruppen, Rockbands, Jazz-Combos, Tröten, Jubelschreien und aufmunterndem Applaus zusammensetzte. Auf der gesamten Strecke gab es nicht einen Abschnitt, der nicht mit Menschen gefüllt war und ich weiß nicht, wieviele Kinderhände ich abgeklatscht habe (ein Mädchen in der Nähe der Yorckstraße rief, ich sei bei ihr allein schon Nummer „33“: eine stolze Sammlung, zu der ich meinen Teil beitragen konnte). Wie das so ist, bei einem Marathon: den letzten Teil, der mit dem Kudamm, dem Potsdamer Platz mit seinem neuen imposanten Mega-Kaufhaus, dem Gendarmenmarkt und dem Brandenburger Tor sicher zu den schönsten Teilen der  Strecke gehörte, konnte ich dann nicht mehr wirklich genießen – die letzten zehn Kilometer waren harte und schmerzhafte Arbeit. Wer noch irgendwas gegen diese Stadt sagen möchte, und mag die Kritik auch noch so bedenkenswert sein, dem halte ich diese 3 Stunden Spätsommer entgegen und die Diskussion ist beendet. An dieser Stelle sei auch nochmal allen gedankt, die mich im Netz unterstützt und angefeuert haben und von denen die ein oder anderen sogar an der Strecke standen. Vielleicht waren das die entscheidenden Sekunden... Einige Impressionen: Foto 28.09.14 07 36 51 Foto 28.09.14 07 36 06 Foto 28.09.14 07 28 39 Foto 28.09.14 07 24 28 Foto 28.09.14 08 24 22 Foto 28.09.14 08 21 44 Foto 28.09.14 14 18 43 Foto 28.09.14 12 24 51 Wie erwähnt, bin ich ohne Musik gelaufen. Ich habe dennoch eine Playlist zusammengestellt, die die Highlights meiner Vorbereitungszeit umfasst, die schönsten Tracks aus den vergangenen 7 Monaten Training und die rein zufällig fast genau 3 Stunden dauert. Und schließlich gibt es noch einen sehr schönen Film. Am 18. Oktober beginnt die Anmeldung für den Berlin Marathon 2015...

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2 thoughts on “Schmerzende Beine und ein überlaufendes Endorphinfass – Der #BerlinMarathon 2014

  • Thuy sagt:

    Wahnsinn, Ludwig! Klasse! Ich finde es einfach toll, wie leidenschaftlich du bist. Zwar erinnern mich deine Facebook- und Twitterposts jedes Mal schmerzhaft daran, dass ich vielleicht von der Coach aufstehen sollte und eine Runde laufen könnte! Aber ein fleischgewordenes schlechtes Gewissen ist auch motivierend! 🙂

  • Guter, ehrlicher Beitrag. Die Kritik mit dem Losverfahren 2014 und dem aktuellen teile ich mit dir! Hoffe 2015 auf meinen dritten Berlin-Marathon. Mach es gut.

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