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DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

Am Ende war es ein harter Kampf – Der Berlin Marathon 2015

bm2015_1Was sofort nach dem Aufstehen um 5.15 Uhr klar war: Das Wetter wird großartig, perfekt - Bestzeitwetter! Berlin präsentierte sich kühl, windstill und mit wolkenlos blauem Himmel. Als bekennender Schönwetterläufer setzt mich das an einem Wettbewerbstag sofort in Euphorie und mir war klar, heute könnte es richtig gut laufen. Ich machte mich an mein Marathon-Frühstück: Müsli mit Banane, dazu einen Kaffee mit Sojamilch und schließlich ging es Richtung Brandenburger Tor. Eine knappe Stunde vor dem Start war das Gepäck abgegeben und ich machte mich auf den Weg zum Startblock. Wie immer war die Orga der Rennleitung perfekt, es gab keinerlei nervige Wartezeiten - nimmt man die obligatorischen 15 Minuten vor dem Dixie-Häuschen einmal weg. Aber genug Toiletten gibt es vermutlich nie bei einer Teilnehmerzahl von knapp 40.000 Menschen. Ich kam für meinen Geschmack ein bisschen zu knapp zum Start und ich hatte auch das Gefühl, dass in den ersten beiden Blöcken diesmal mehr Läufer im Feld waren, was  für mich insofern eine Rolle spielte, als es doch ein wenig eng war auf den ersten Kilometern der Strecke. Dennoch habe ich mein erstes Ziel gut erreicht, innerhalb der ersten 5-8 Kilometer ins Rennen zu finden und bei Kilometer 10 hatte ich dann auch meine Zielpace von 3'54 gefunden. Von da an lief es hervorragend und ich freute mich schon auf die Zwischenzeit bei der Halbmarathon-Marke. Ich rechnete durch, dass ich dann bei knapp unter 01:23:00 sein sollte, um mein großes Ziel, die 42,195 km unter 02:45:00 zu absolvieren und mich damit direkt für Berlin 2016 zu qualifizieren, zu erreichen. Meine Beine fühlten sich locker an, ich hatte keinerlei Beschwerden und auch die Atmung lief vollautomatisch und ohne Probleme. An der Halbmarathonmarke kurz hinter der Yorckstraße wurde dann die Zeit angezeigt: 01:21:33. Das war schnell, fast schon zu schnell und mir war klar, dass es schwierig werden würde, einen Negativsplit zu laufen, was ich eigentlich vor hatte. Aber ich hörte in mich hinein und hatte ein regelrechtes Hochgefühl, musste mich geradezu zurücknehmen, nicht noch einen Zahn zuzulegen. https://twitter.com/tanjastweets/status/648048526841249792 https://twitter.com/citoyenberlin/status/648056388376260608 Bei Kilometer 23 nahm ich das erste Mal Gel zu mir, klatschte immer wieder mit am Rand stehenden Kindern ein und freute mich auf die nächsten 10 Kilometer, wohl wissend, dass das schwierigste Stück immer ab der 30k Marke auflauert und ich noch Kraft brauchen würde. Bei Kilometer 28 nahm ich das Tempo etwas raus, um für die letzten 10 Kilometer nochmal Kräfte zu sparen, gewissermaßen Anlauf zu nehmen für das letzte Viertel der Strecke. Noch immer war ich mir ziemlich sicher, dass ich das Tempo würde halten können, wenngleich mir so langsam klar wurde, dass der Negativsplit vermutlich nicht mehr realistisch sein würde. Ab Kilometer 32 kristallisierte sich dann heraus, dass eine erneute Temposteigerung, die ich mir für das Ende vorgenommen hatte, nicht mehr möglich sein würde. Die Beine begannen zu schmerzen, aber ich wusste, dass ich durch die erste Hälfte des Laufs noch einen Puffer von etwa 3-4 Sekunden pro Kilometer von meiner Zielpace habe. Aber die Schmerzen wurden schlimmer, die Oberschenkel rebellierten zunehmend und am Ku'damm, einem der Höhepunkte der Streckenführung, war mir klar, dass es jetzt nur noch darum ging nicht einzubrechen, dass aktuelle Tempo irgendwie zu halten. Ich näherte mich der 40er-Marke, überquerte den Potsdamer Platz, aber die Schlusseuphorie, das "gleich ist es geschafft - jetzt nochmal richtig Gas geben" stellten sich nicht ein. Die zweite, die letzte Luft: Sie würde nicht kommen. Es galt, weiter zu kämpfen, dem Mann den Hammer irgendwie zu entreißen, der da auf meine Beine einschlug. Bei der 40 Kilometer-Marke war mir klar, es würde verdammt knapp mit den 02:45:00 und vielleicht würde es nicht reichen. Aber wer weiß! Durchhalten! Als es an der Komischen Oper vorbei ging, da waren es noch etwa 1,5 Kilometer, da wusste ich: Ich würde es schaffen, ich würde ohne Krämpfe und im aktuellen Tempo durchkommen und auf den letzten Metern nicht völlig einbrechen. Ich bog auf UdL ein, lief auf das Brandenburger Tor zu und sah das Ziel. Dieser Blick ist immer wieder etwas ganz Besonderes, der Lauf durch das Freiheitssymbol der Wiedervereinigung immer ein unglaubliches Gefühl und wenn auch zu spät, mobilisierte ich nochmal alle Kräfte für die letzten 200 Meter und überlief endlich die Ziellinie mit dem Blick auf die Uhr: 2:46:37. Das ganz große Ziel war zwar nicht erreicht, aber dennoch war ich überglücklich: Der Lauf hat mir alles abverlangt, mich gezwungen, über die Leistungsgrenze zu gehen und war der ultimative Test für meinen Kampfeswillen und mein Durchhaltevermögen. Ich konnte meine persönliche Bestzeit um ganze 12 Minuten und 23 Sekunden verbessern und hatte eine fantastische, wunderschöne Strecke hinter mir - einen Lauf durch ein einmaliges Großstadtfestival. Am 19. Oktober beginnt die Bewerbungsphase für Berlin 2016 und ich hoffe sehr auf das Losglück. Darüber, ein Ziel zu definieren, brauche ich mir keine großen Gedanken zu machen: Für Berlin 2017 möchte ich mich direkt qualifizieren. (Danke an Tanja Sterian für das schöne Foto)

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