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DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

Rechnung beglichen – Die Challenge Roth 2018

Vor zwei Jahren startete ich das erste Mal als Läufer in der Staffel bei der Challenge Roth, der wahrscheinlich größten Triathlon-Veranstaltung in Deutschland.

Ich wollte unter 3 Stunden laufen, wusste, dass die Strecke nicht ohne sein würde und in der Staffel macht auch eine Bestzeit-Orientierung wenig Sinn. Aber schnell laufen wollte ich schon und geben, was da war.

Wie es mir damals ergangen ist (nicht besonders gut und ich habe mein Ziel verfehlt), kann man an einer anderen Stelle in diesem Blog ausführlicher lesen.

Als mich Florian vom neuen team twenty.six vor einigen Wochen gefragt hat, ob ich Lust hätte, in diesem Jahr wieder anzutreten, erinnerte ich mich: Ich habe da doch noch eine Rechnung offen.

Ich dachte (um ehrlich zu sein nur einige wenige Minuten) nach und antwortete ihm: “Ich bin dabei”.

Und so kam es. Der Wettbewerb passte perfekt in mein Training, ich würde gerade die Vorbereitungen für den Berlin Marathon angefangen haben, der Brüder-Grimm-Lauf würde lange genug zurückliegen und die 42 Kilometer wären ein guter Test für die folgenden Wochen.

Der Plan war also, Roth aus dem Training heraus zu laufen (mit einem Ruhetag am Vortag des Rennens) und das Ziel: locker und sicher unter drei Stunden zu bleiben. Ich durfte mich nicht so stark verausgaben, dass ich danach eine längere Regenerationsphase brauchen würde, wollte aber ambitioniert in das Rennen gehen: ein klassischer B-Wettbewerb (auch, wenn ich diese Bezeichnung absolut nicht leiden kann), den ich aber sehr ernst nehmen wollte. Denn auch wenn ich mich wiederhole: Ein Wettbewerb ist ein Wettbewerb ist ein Wettbewerb. Und die Challenge, mit ihrer phantastischen Stimmung, der eine ganze Region verfällt, ist nun wirklich zu schade für eine “Trainingseinheit unter Wettbewerbsbedingungen”.

Zudem wusste ich, dass ich mit Beatrix und Marcus “der” Baranski in einer Staffel gelandet bin, die richtig flott unterwegs sein würde. Der Plan war also, mit einer Pace von 4’15 anzulaufen und dann relativ diszipliniert Richtung 4’10 zu steigern. Ich wollte durchgehend Rottgau-Tempo laufen.

Der Renntag begann mit strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen und ich verabredete mich mit meinem Team vor dem Staffel-Schwimmstart in der Wechselzone zur Übergabe der Startunterlagen.

Im Anschluss ging es dann für mich noch auf das Gelände (u.a. in einen kleinen Biergarten - ich trank natürlich kein Bier, sondern Kaffee).

Im Anschluss, um die Mittagszeit, gab es noch eine Portion Pasta und eine CLIFF-Bar. Ich fühlte mich gut.

Über das Online-Portal der Challenge konnte man die Splits der Teamkollegin und des Teamkollegen überprüfen. Beatrix war mit 50 Minuten Schwimmzeit durch und die erwartete Ankunftszeit von Marcus war 14.15 Uhr.

Eine gute Stunde vor dieser Zeit machte ich mich auf den Weg in die Wechselzone, zog mich um, gab mein Gepäck ab und wartete.

Um 14:20 etwa kam Marcus in die Wechselzone, ich nahm ihm den Transponder vom Fußgelenk, band ihn an meines (den Transponder) und los ging es.

Den ersten Kilometer brachte ich in 3:45 hinter mich: zu schnell. Ich bremste etwas ab, nahm mir fest vor, disziplinierter zu laufen, genug Kraft über die volle Distanz zu behalten, mich auch am Ende noch gut zu fühlen.

Ich lief mit einer Pace von etwa 4’05 weiter und es ging nach wenigen Kilometern an den Kanal. Was mich vor zwei Jahren noch einigermaßen genervt hatte, erschien mir jetzt als kein großes Problem mehr: Der Weg war relativ eng und nachdem es mehrere Wendepunkte auf der Strecke gab, kamen einem ununterbrochen die anderen Teilnehmer entgegen. Zudem war man als Staffelläufer ständig dabei, andere zu überholen.

Stellenweise war es am Wasser dann auch etwas windig und die Strecke verlief schattenlos unter strahlender Sonne. Auch dies empfand ich als nicht sonderlich unangenehm: Im Gegenteil. Durch die sehr gute Verpflegung konnte ich mich regelmäßig mit Schwämmen eindecken und abkühlen, ich trank an jeder zweiten Verpflegungsstelle einen Schluck Wasser und hatte mit der Hitze keinerlei Probleme.

Nach jedem Kilometer blickte ich auf meine Uhr und sah die Rundenzeit. Sie war konstant zwischen 4’00 und 4’05. Für eine 3-Stunden-Zeit wäre das deutlich “zu” schnell - ich hatte aber das Gefühl, mich in meinem Wohlfühltempo zu befinden und hielt die Geschwindigkeit.

Ein paar Tage zuvor hatte ich meinen Lauf von 2016 analysiert: Bereits bei Kilometer 23 fiel ich damals ab und ich wusste noch, dass ich ab Kilometer 30 kaum noch Kräfte hatte. Es lief wirklich nicht gut damals.

Diesmal war es gänzlich anders. Ich prüfte mich an eben jener 23k-Marke, fühlte mich hevorragend und lief einfach weiter.

Irgendwann ging es wieder vom Kanal ab und bei Kilometer 30 liefen wir zurück nach Roth und in die Stadt hinein. Ich wusste, dass die Strecke im Vergleich zum letzten Mal leicht verändert wurde, fragte mich aber dann doch, wo jetzt noch die restlichen 12 Kilometer herkommen sollten.

Wir liefen durch die verwinkelten Straßen und Gassen der fränkischen Triathlon-Hauptstadt und verließen sie wieder. Dann kam ein Waldstück und: Anstiege. Damit hatte ich nun nicht gerechnet: acht Kilometer vor dem Ziel? Na vielen Dank!

Aber ich lief weiter. Die Beine schmerzten nun ein bisschen bei einigen Passagen, aber auch hier kamen mir wieder Läufer entgegen und ich wusste, es würde nochmals einen Wendepunkt geben und die Anstiege würden sich auf dem Weg zurück Abstiege verwandeln.

Wieder fühlte ich in mich hinein: Die Beine meldeten sich deutlicher zu Wort, gaben aber kein Alarmzeichen. Mein Kopf fühlte sich gut an. Ich würde das Tempo halten können, die Zeit unter drei Stunden war nicht mehr in Gefahr. Auf den letzten beiden Kilometern ging es wieder nach Roth und durch die Gassen. Dann die letzte Kurve, die Abzweigung ins extra aufgebaute Stadion und etwa 500 Meter vor dem Ziel warteten am eigens dafür vorgesehenen Treffpunkt Beatrix und Marcus. Sie schlossen sich mir an und wir liefen Hand in Hand auf die letzte Runde und durch das Ziel.

Am Ende stand meine Zeit bei 2:47:35 und ich war zufrieden. Nicht nur, weil ich mein Ziel locker erreicht hatte, sondern weil ich es wirklich locker erreicht hatte: ohne besondere Schmerzen, ohne mentale Krisen, ohne den Einbruch auf den letzten Kilometern. Ich bin so gelaufen wie ich wollte: ambitioniert, aber nicht bis an die Leistungsgrenze. Dafür möchte ich bitte einen Sternchen für Disziplin (nun wirklich nicht meine Stärke im Rennen).

Und dann gab es sogar noch einen Platz auf dem Treppchen: In der Wertung "Staffeln-mixed" erreichten wir den dritten Platz.

Vielleicht sollte man an dieser Stelle doch nochmal ein Wort zu dem verlieren, was jenseits der Strecke so passierte: Denn hier muss man sagen, dass tatsächlich alles wie geschmiert lief und ein großes Lob geht daher an die Veranstalter und die Tausende an Helfern. In der Zielverpflegung gab es alleine vier vegane warme Gerichte, zudem Kokos- und Mandelmilch und es gab warme Duschen in Einzelkabinen. Der Gepäcktransfer funktionierte perfekt, nirgends gab es lange Wartezeiten.

Ein großer Dank geht auch an meinen Freund Stefan und seine Familie, die mich an dem Wochenende nicht nur aufgenommen und ein großartiges veganes Kraftessen aufgetischt haben, sondern der mich auch komplett betreute. Das ist unschätzbar viel wert!

Die Rechnung, die ich mit Roth noch offen hatte, ist beglichen. Jetzt geht es weiter auf dem Weg zum Berlin-Marathon. Auch da ist noch was offen…

Mein Rennen auf Strava:

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