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DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

Der Circle – Ein Roman, der einzig vom Thema lebt

Dave Eggers Roman "Der Circle" lebt von seiner Story. Das Thema zieht, in Zeiten der NSA-Affäre und der Diskussionen über die Macht amerikanischer Internetgiganten kommt ein Roman über die Horror-Szenarien einer komplett social-media-digitalisierten Welt und der totalen Transparenz gerade recht. Und Eggers scheint dies genau zu wissen.  Denn leider muss man nach der letzten der knapp 560 Seiten sagen: Spannend war es durchaus, ein Vergnügen war es aber nicht. "Der Circle" schwimmt an der Oberfläche und man hat so ein bisschen das Gefühl, als ob Eggers möglichst viele Aspekte in sein Konzept unterbringen wollte, ohne sich über die literarische Qualität Gedanken machen zu wollen: der durchgestylte Campus, das elitäre Selbstverständnis der Mitarbeiter, die weltweite Überwachung im Deckmantel der Transparenz, der Retter, der versucht, die Menschheit in letzter Sekunde vor der "Vollendung" der Circle-Weltherrschaft zu retten, Burnout durch ständige Verfügbarkeit und Stress und vieles mehr.  Und selbst die Social-Freezing Thematik des pseudofürsorglichen Unternehmens ist dabei: Der Circle kümmert sich um den kranken Vater der Protagonistin Mae Holland. Man hätte sich gewünscht, dass Eggers sich weniger um die Äußerlichkeiten gesorgt und sich stattdessen mehr auf die Figuren konzentriert hätte. Denn das ist das größte Manko des Romans: Über die Protagonisten, die Charaktere, ihre inneren Konflikte und Motivationen erfährt man so gut wie nichts. Was fühlen sie, was denken sie und welche Folgen haben diese extremen Entwicklung auf die Betroffenen denn nun eigentlich genau?  Der Circle ist ein rein beschreibender Roman, ohne dass er das Beschriebene oder die darin Handelnden näher untersucht. Es fehlt jegliche Tiefe, was beim Leser zu einer eher unangenehmen Distanz führt, weil er sich zwar mit der Thematik, nicht aber mit den Menschen Eggers identifizieren kann. Zum Nachdenken über das, was in der Welt des Circles eigentlich passiert und warum er zum Verderben für die Gesellschaft führen kann, lädt diese Distanz und erzählerische Kühle nicht unbedingt ein. Ein Vergleich mit Orwell oder Huxley ist daher nicht nur lächerlich vermessen, er ist: lächerlich.  Man hat so ein bisschen den Verdacht, dass Eggers hier schon ein Drehbuch für die Verfilmung seines Buches mit vorlegen wollte. Dem Roman als solchen nimmt er damit seine Substanz. Man kann dieses Buch lesen, sollte es vielleicht sogar, weil es doch auch hoch aktuell ist. Vieles von dem, was Eggers beschreibt, ist bedenkenswert und alles andere als an den Haaren herbei gezogen. Man muss sich mit der Thematik beschäftigen.  Umso bedauerlicher ist es, dass "Der Circle" keinen wirklich bleibenden Eindruck hinterlässt.  Dave Eggers Der Circle 560 Seiten  Kiepenheuer & Witsch

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