LilaBlog

DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

Das Problem mit der Filterbubble

In einem Blogpost hat @Kritiklultur zu Recht darauf hingewiesen, dass wir uns oftmals viel zu starr innerhalb der Filterbubble bewegen und somit viele spannende Tweets und Tweeps verpassen, um nur immer wieder die gleichen Themen von den selben Leuten in der Timeline zu lesen. Die Lösung dieses Problems aber erscheint schwierig. Denn je mehr Menschen man folgt, desto kürzer werden die Intervalle, in denen man seine Timeline durchscrollen muss. Letztendlich kann man also die These aufstellen: Je höher die Zahl derer, denen man folgt, desto größer ist die Menge an Informationen, Facts und Statements, die man verpasst. Auch, wenn das objektiv betrachtet natürlich Unsinn ist, gibt es einem aber das Gefühl, immer nur den kalten, dünnen Rand eines reichen Suppentellers löffeln zu können. Die heiße Mitte mit den wirklich würzigen Zutaten scheint dadurch immer weniger erreichbar. In der Bubble hat man wenigstens noch das beruhigende Gefühl: "Alles gelesen, nichts verpasst, nichts ist ohne mein Wissen passiert". Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Die Bubble dient als Schutzhülle im Kosmos der digitalen Beschallung. Das Dilemma ist, dass bei der an sich großartigen Vielfalt oft nur Selektion hilft: Das Anlegen von Listen, die Reduktion der "Following"-Liste, die Suche nach bestimmten Hashtags, die Fokussierung auf bestimmte Themenfelder. Ein wirklich gutes System, die Bubble an den richtigen Stellen aufzustechen, ist nicht leicht zu finden. Twitter-Listen sind hier sicher hilfreich, setzen aber voraus, dass man auch diese regelmäßig checkt - und wenn ihre Zahl dann irgendwann deutlich in den zweistelligen Bereich geht, dann beginnt auch hier die Vernachlässigung. Dann prüft man bei wenig Zeit die bewährten "News", "Friends" oder bestimmte Themenlisten und behandelt die Exoten dann sträflich stiefmütterlich. Gleiches gilt natürlich auch für Reader und RSS-Feeds. Es gibt Tausende von Blogs, die aus Posts bestehen, von deren Lektüre man einen vermutlich größeren Gewinn hätte, als den zwölften Post zu einem Thema des aktuellen politischen Diskurses zu lesen. Auch hier gilt: Ich kann nicht annähernd auch nur einen adäquaten Bruchteil von dem lesen, was dringend lesenswert wäre. Wahrscheinlich ist es einfach ein unabdingbarer Teil einer umfassenden Medienkompetenz, seinen Filtern eine möglichst hohe Durchlässigkeit zu lassen. Man muss sich selbst immer wieder dazu ermahnen, die Vielseitigkeit des Netzes zu nutzen, um sich auf Beiträge einzulassen, die man mit dem gelernten Auge des manchmal allzu notwendigen sekundenschnellen Relevanzurteils beim Scannen von Feeds und Timelines eigentlich übersehen müsste. Es ist die Selbstverpflichtung zu einer weitgehend bedingungslosen Aufgeschlossenheit, die einen Themen, Ansichten und Perspektiven kennen lernen lassen, die man durch die Brillengläser der Routine und der Gewohnheit nie entdeckt hätte. Wie jede Chance ist auch die Chance des großen Angebots an Originalität mit einer Pflicht verbunden: der Pflicht des Sich-Auf-Etwas-Einlassens. Digitale Vielseitigkeit, die explosionsartige Zunahme der Zahl an Sendern in einem immerwährenden Kommunikationsfluss bedeutet, Übersehenes zu entdecken und sich selbst gegenüber mutig genug zu sein, Irrelevantes als relevant einzustufen. Ein weiser Mann hat einmal gesagt: Stay foolish - stay hungry. Es bleibt so richtig!

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