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DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

Das #twoff als emotionaler Selbstschutz

twoff.jpg.scaled1000Es gibt eine durchaus hilfreiche Seite, die heißt tagdef.com. Dort kann man nachsehen "what hashtags really mean". Dort hätte David Cameron zum Beispiel nachlesen können, was #LOL bedeutet und hätte sich ein bisschen Häme und ein eigenes "Gate" ersparen können. Dort findet man natürlich auch eine Definition von #twoff: "You can say #twoff if you would go (to) sleep or you must go outside, without Twitter." Außerdem findet sich dort auch der pseudoginguistische Hinweis "twitter+offline=twoff". Ich habe #twoff bisher eigentlich nie benutzt, weil für mich immer klar war, dass ich mich ja nicht extra abmelden muss, wenn ich meine Timeline schließe, und dass das auch nicht wirklich jemanden interessieren würde. Außerdem wäre es, streng genommen, eine Lüge, denn online bin ich schließlich immer irgendwie, und rein theoretisch - gelobt sei die Push-Notification- kann sich meine Timeline jederzeit bei mir melden und mich dezent über eine Erwähnung oder eine DM informieren. Am vergangenen Samstag aber habe ich es dann doch getan: #twoff. Nicht, weil ich mein Handy ausgeschaltet, meinen Router ausgesteckt oder aus lauter Wut und Frust über das verlorene Championsleague-Finale alle meine mobilen Endgeräte zerstört hätte, sondern weil #twoff - wie so viele unserer Statusmeldungen - eben keine bloße Statusmeldung ist, sondern ein sehr mächtiges Statement sein kann. Dadurch, dass durch die social-mediale Begleitung gesellschaftlicher (Groß-) Ereignisse, politischer Veranstaltungen oder mehr oder weniger tiefgreifender öffentlicher Diskussionen die Emotionalität ins Unermässliche gesteigert wird und die Timelines in bestimmten Extremsituationen kollektiven Erlebens mehr als Gefühlsventil denn als dialogorientierte Kommunikationsplattform dienen, ist die Gefahr eines Overflows und einer daraus resultierenden artikulatorischen Eskalation geradezu automatisch gegeben. Klingt vielleicht komisch,... ähm... ja, ist aber so. Dann ist #twoff nicht mehr ein: "So Leute, ich geh dann mal ins Bett, bis morgen!", sondern ein "Ich sag jetzt besser nichts mehr, sonst kann ich auch für nichts mehr garantieren". Ganz nach dem alten Sprichwort: "Manchmal ist es besser, einfach mal die F***** zu halten" - dessen Ursprung ich jetzt auch einfach mal nicht googlen möchte. #twoff ist gewissermaßen der Superlativ von #facepalm - die letzte Rettung, bevor man sich zu etwas verleiten lässt, das viele wohl zu Recht als inflationär auftretendes Phänomen der digitalen Kommunikation beklagen: Man wird ausfallend, verletzend oder beleidigend. Und man schreibt Dinge, die man am nächsten Tag am liebsten löschen würde, was aber nicht geht, weil wir ja wissen, dass das Internet nicht vergisst. Was da EINMAL steht... jahaaaa! Nach meiner ersten persönlichen #twoff-Erfahrung - da muss jeder wohl mal durch - habe ich am nächsten Morgen sofort überpfüft, ob ich einen mir wichtigen Follower verloren, entscheidende Informationen übersehen oder Retweets erfordernde Tweets verpasst habe - was aber nicht der Fall war. Die Timeline hat sich verhalten als sei nichts gewesen. Aber froh war ich trotzdem irgendwie, wieder da zu sein... tl, dr;  #twoff ist das neue "Ich bin dann mal weg" und kann dem emotionalen Selbstschutz dienen.

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