LilaBlog

DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

Das Ü-Ei und der Pinkisierungsskandal

"Ist das Euer Ernst?" - Manchmal fällt einem auf, wie oft man sich bei gesellschaftlichen Debatten diese Frage stellt, die einem leider viel zu selten mit "Nein" beantwortet wird. Und immer wieder scheint der öffentliche Zorn besonders aufmerksamer Zeitgenossen ein Produkt zu treffen, das nicht nur ein echter deutscher Exportschlager ist, sondern das Generationen von Menschen einen bescheidenen Teil an Glücksmomenten der Kindheit beschert hat. Das sogar eine gewisse linguistische Relevanz aufweisen kann, da sein "Drei Dinge auf einmal? Das geht nun WIRKLICH nicht" fast schon zu einem geflügelten Wort geworden ist. Das gute alte Überraschungsei, das unter Kennern heute nur noch mit seinem Kosenamen "Ü-Ei" angesprochen wird.

ÜEi.scaled1000In meiner Kindheit, die leider schon viel zu lange her ist, war es so, dass die lustigen Schokolandeneier während der heißen Monate auch in die Ferien geschickt wurden und erst nach einer mehrwöchigen Sommerpause wieder in den Supermärkten verfügbar waren.

Und wie sich nun einmal mehr herausstellt, hatte das seine guten Gründe, scheint das Ü-Ei in jenen Sonnenwochen besonders häufig unter Beschuss zu stehen. Vor einigen Jahren, es war 2008, stellte zum Beispiel eine bis dahin nicht ganz so bekannte Politikerin aus der Kinderkommission des Deutschen Bundestages fest, dass Überraschungseier viel zu gefährlich für unsere Liebsten seien, und man sie daher leider verbieten müsse. Eltern seien einfach zu doof, zu unterscheiden, was an dem Ei da nun genau die Nahrung und was das Spielzeug sein soll. So oder so ähnlich war die Argumentation... Und nun, wieder einmal ist es Sommer, gibt es den nächsten Angriff. Diesmal geht es um Diskriminierung. Es gibt das Ü-Ei nämlich jetzt auch in Rosa. Und in der geheimnisvollen Kapsel im Inneren der Schokoladenhülle sind nicht etwa Plastikautos oder kleine Monster im Pokemon-Stil (dass das Spielzeug in den Ü-Eiern früher grundsätzlich cooler und schöner war als heute wäre ein Thema für einen eigenen Blogpost), sondern, und jetzt kommt's: Mädchenspielzeug. Feen und so. Und da sagen die selbsternannten Antidiskriminierungsbeauftragten nun, dass sei sexistisch und absolut nicht kindgerecht. Man spricht von der "Pinkifizierung" der Spielwarenwelt. Moment! Dann melde ich mich jetzt auch mal zu Wort: Ich fordere die Abschaffung des "normalen" Ü-Eis. Denn Mädchen haben jetzt die Auswahl aus ZWEI Sorten: es gibt das pinke und es gibt das neutrale Ei. Beide dürfen von Mädchen gekauft werden. Wogegen wir Jungs nur EINE Produktversion vor die Nase gesetzt bekommen - und das nicht mal äußerlich auf uns als Zielgruppe zugeschnitten. Ich fordere ein blaues Ü-Ei! Und ich bin für die Abschaffung von Plastikautos und Flugzeugen in den Eiern, nein, raus damit aus dem GESAMTEN Spielzeugsortiment dieses Landes, weil ich mich als weltoffener Feingeist mit der Überbetonung auf Technik und männliche Statussymbole gesellschaftlich zu stark reduziert, also ganz klar diskriminiert fühle. Und was ist eigentlich mit BARBIE?? Die hat ja auch diese sexualisierenden pinkisierten Kleidungsstil und ist total überstylt. Und das Männerbild, das seinen Ausdruck in diesem makellosen, offensichtlich sportlich überdurchschnittlich engagierten und deshalb muskelprotzenden Ken findet, finde ich völlig oberflächlich und erniedrigend. Also: Abschaffen! Verbieten! Und wenn schon Puppen, dann fordere ich Unisexfiguren in neutraler Kleidung, die nur noch als "Mensch" erkennbar sind und die sowohl die Rolle einer Frau als auch die eines Mannes beliebigen Alters übernehmen können - ganz der persönlichen Einstellung des zu schützenden spielenden Kindes entsprechend. So.  Wäre ich jetzt nicht total überhitzt von dieser aufreibenden Sommerdebatte, würde ich mich jetzt fragen, was eine solche Diskussion eigentlich soll... Und ich würde auch zugeben, dass diese Feen nicht gerade originell oder besonders liebevoll erdacht aussehen - was aber, wie schon erwähnt, daran liegt, dass das Spielzeug in den Ü-Eiern dieser Tage grundsätzlich eher lieblos und uninspiriert geworden ist. Von handbemalten Happy Hippos und kleinen grünen Fröschen im Aquarell-Look fehlt inzwischen jede Spur. Ich entscheide mich aber für den positiven Ansatz eines Fazits: Wir reden über Nummernschilder als Teil unserer Persönlichkeit und wir diskutieren über die Sexualisierung von Spielzeug zwischen Milchschokoladendeckeln. Diesem Land geht es also verdammt gut. Das ist irgendwie auch beruhigend.

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