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DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

Kommt in den #earlybirdsclub! – Ein Plädoyer für die Zeit vor dem Tag

MondMeistens sind die Texte, die bereits am Anfang eine Studie zitieren, kaum die Zeit wert, die man für die Lektüre aufwenden müsste. Ich beginne trotzdem damit. Ich beginne damit, dass in zahlreichen Studien immer wieder von der Bedeutung des Schlafs gesprochen wird, und wie wichtig er für unser aller Gesundheit sei. Ich bezweifle das nicht, denn würde ich das abstreiten, wäre das in etwa so, als würde ich behaupten, zu viel körperliche Bewegung führe zu einem früheren Tod. Schlaf ist wichtig, um Körper und Geist zu regenerieren und neue Energie zu schöpfen. Ja, ich weiß. Daran besteht kein Zweifel. Und dennoch: So wichtig der Schlaf ist, so wichtig ist es auch, die Zeit, die man jenseits des Ruhens hat, zu nutzen. Und aus diesem Grund mache ich mich hier stark für etwas, das viele noch immer zu unterschätzen scheinen: Die frühen Morgenstunden. Mit „nutzen“ meine ich nicht im Sinne des Wirtschaftsstandorts Deutschlands, den es zu stärken gilt oder das Emporklettern auf der persönlichen Karriereleiter, während die Konkurrenten noch schlafen. Nein, mit „nutzen“ meine ich die gewonnenen Stunden, die man ganz für sich hat, die Zeit gestalten, die man quasi geschenkt bekommt, weil sie außerhalb der etablierten Wach-Zeiten liegt und in der man ohne einer Spur von schlechtem Gewissen die sinnigsten und unsinnigsten Dinge tun kann, weil ohnehin alle erwarten, dass man schläft. Es ist die Zeit, die eigentlich gar nicht stattfindet. Die Kinder schlafen, das Telefon schweigt, es kommen keine E-Mails außer Spam und selbst das Intervall von EIL-Meldungen ist gering wie sonst nie am Tag. In einer Zeit, in der man kaum mehr selbige zur Verfügung hat, muss man sehen, wo man sich noch Reserven anzapfen kann. Und wenn man liest, dass die Generation Y sich wieder stärker in das Private zurückziehe (eine höchst spannende These übrigens), dann sieht man das Potenzial, dass in diesen von mir so geschätzten Morgenstunden steckt. Der frühe Vogel fängt den Wurm deswegen, weil Letzterer sich für einen Tag erholt, den er nicht mehr erleben wird. Der Vogel dagegen lebt und hat bereits vor allen anderen ein persönliches Erfolgserlebnis. Das ist kein Plädoyer für das Leben eines Workaholics, im Gegenteil: Es geht um das reine Vergnügen, eine Zeit ohne Verpflichtungen. Stunden, die man ohne jemandem Rechenschaft ablegen zu müssen, verschwenden kann für Dinge, die niemanden weiterbringen, die keinen Wert für die Mitmenschen haben, weil sie nur einem selbst gehört. Wer Mitglied ist im Earlybirdsclub, der ist ein Egoist, der für ein paar Stunden nur an sich denkt, und doch niemandem etwas wegnimmt. Wer Mitglied ist im Earlybirdsclub, der ist ein Altruist, weil er sich die Zeit dann nimmt, wenn andere sie nicht benötigen. Guten Morgen!

3 thoughts on “Kommt in den #earlybirdsclub! – Ein Plädoyer für die Zeit vor dem Tag

  • Ariane sagt:

    Wenn man aber kein Frühaufsteher ist, sondern sich erst mal mit schlechter Laune aus dem Bett quälen muss und man (trotz frühem ins Bett gehen) so zerschlagen ist, dass man sich fühlt, sls hätte man 5Tage lang durchgemacht, wird man als halbtoter Zombie auch keine nennenswerten Leistungen in der „earlybird-Zeit“ erbringen.

  • Wohli sagt:

    Ich mag es auch, manchmal früh auf zu sein, den Sonnenaufgang zu genießen und den Tag anzugehen. Meistens allerdings lege ich mich danach schlafen. Ich bin morgens nicht produktiv, am besten arbeite ich in der Zeit nach 15 Uhr, gerne bis spät abends.

    Und wenn ich nach einem Abendtermin nach Hause komme, dann setze ich mich nicht selten hin, lese noch ein wenig, höre Musik oder schaue ein wenig fern. Oft bis weit nach Mitternacht. Denn das ist dann meine Zeit, in der mich niemand stört. Ich bleibe eine Eule.

  • Norman sagt:

    Volle Zustimmung, lieber Ludwig! Ich brauche morgens Zeit für mich, zum Nachdenken, Lesen, manchmal zum Bloggen, zum Frühstücken. Die Stille im und vor dem Haus ist dabei eine gute Unterstützung – oder je nach Jahreszeit, das Vogelkonzert.

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