LilaBlog

DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

Ein jungväterlicher familienpolitischer Wutausbruch

Ich möchte ja nicht schwarzmalen. Und ich glaube auch nicht, dass schon bald die Welt untergeht - und schon gar nicht noch vor Weihnachten, am 21. Dezember, wie die Mayas glauben. Aber irgendetwas ist im Gange, von dem ich glaube, dass es uns verändern kann, wenn wir uns nicht dagegen wehren. Ein Arbeitgeberpräsident stellt die Elternzeit oder zumindest ihre Länge und Ausgestaltung in Frage. Er spricht davon, dass, sobald der Ausbau der Kinderbetreuung gewährleistet sei, die Elternzeit auf zwölf Monate abgesenkt werden muss. Mit anderen Worten: Wenn die Kinder endlich verräumt sind, sind die Hürden, wieder einer vernünftigen Tätigkeit nach zu gehen endlich überwunden. Und die mit kaum zu ertragener Verbissenheit vorgebrachten Argumente gegen das Betreuungsgeld klingeln uns immernoch in den Ohren. Ich weiß es nicht sicher, aber die Tatsache, dass eine sozialdemokratische Partei gegen eine familienpolitische Leistung vor dem Bundesverfassungsgericht klagen möchte, dürfte in der Geschichte dieser Republik einmalig sein, und ist an Zynismus kaum zu überbieten. Die Argumente, die in den Debatten - online, offline, im Plenum des Bundestages und in den Zeitungen dieses Landes - gegen das Betreuungsgeld angeführt wurden, und die aufgeregte Nachtreterei, die immernoch stattfindet, machen mindestens sehr nachdenklich. Und wenn mit der Elternzeit jetzt offensichtlich die nächste Wertschätzung für junge Familien ENTwertet werden soll, dann müssen wir uns so langsam Gedanken darüber machen, ob hier nicht schleichend etwas passiert, das eigentlich nicht passieren darf: Das Bild des Menschen, der funktionieren muss, damit ein System funktioniert - und dessen wichtigste Komponenten nicht bedingungslose fürsorgliche Liebe und Bindung, sondern Bildung und die Vorbereitung auf die Arbeitswelt und die akademische Laufbahn vom Kreißsaal aus sind. Wenn Familien zu etwas werden, mit dem man irgendwie zu Recht kommen muss, und das man möglichst beiläufig regeln oder besser von den Sprossen der persönlichen Karriereleiter wegfegen muss, dann muss man einmal ganz kräftig an der gesellschaftlichen Alarmglocke rütteln. Wenn ich jetzt Amerikaner wäre, würde ich sagen: "Let me tell You a little story": In einer mir sehr nahe stehenden Familie gibt es eine kleine Tochter, die vier Jahre alt ist und von Anfang an, bis sie mit Drei in den Kindergarten gekommen ist, zu Hause betreut wurde - von ihrer Mutter, die als Handwerkerin von dort aus arbeiten kann und einen Onlineshop betreibt. Diese kleine Tochter sitzt nicht vereinsamt und verhaltensgestört im Gruppenraum in einer Ecke und blickt apathisch vor sich hin, sondern spielt und tobt mit den anderen Kindern und schreitet ein, wenn zwei Mädchen ein anderes Mädchen hänseln oder sie "blöd anmachen". Bei der U8 wurde dieser Tochter vor Kurzem bestätigt, dass sie, was die Kreativität, die Auffassungsgabe und das "Malen nach Ansage" angehen, auf dem Stand einer 5-Jährigen sei, also ein knappes Jahr voraus. Die Eltern dieses Kindes bekommen übrigens einen starken Brechreiz, wenn sie Peer Steinbrück im Deutschen Bundestag über Erziehung und Kinderbetreuung und die Würdigung elterlicher Fürsorge zuhören. Mehr muss man über den Unsinn an Argumenten gegen das Betreuungsgeld, der da in diversen Studien, von einer großen Schar von Wissenschaftlern und Wirtschaftsvertretern und von linken EX-DDR-Anwälten mit Schaum vor dem Mund hervorgebracht wurde eigentlich gar nicht sagen. Es muss reichen, wenn wir so manchen Wirtschaftsvertretern einfach aus voller Kehle ein entschiedenes "Get there faster!" entgegenrufen, weil sie endlich einmal kapieren müssen, dass junge Menschen Karriere machen möchten, Selbstverwirklichung suchen und berufliche Spitzenleistungen bringen wollen - und gleichzeitig, auf der anderen Seite die Familie als immer wichtiger betrachten. Dass der Wunsch, seine Kinder "öfter zu sehen, als dies im Moment der Fall ist" ganz oben steht auf der "Was wünschen Sie sich für Ihre persönliche Zukunft"-Liste. Und dabei ist zum Beispiel wichtig, dass Unternehmer ihren Mitarbeitern nicht verbieten, ihre Smartphones und Notebooks am späten Abend, mitten in der Nacht oder in aller Frühe angeschaltet zu lasse . Denn was bitte hat es mit Fürsorge zu tun, wenn man ein Kommunikationsverbot ausspricht und seine Leute in ein 9to5-Korsett zwängt, dass mit Vereinbarkeit von Beruf und Familie ungefähr so viel zu tun hat wie Stopfleber mit artgerechter Tierhaltung. Und dabei ist es übrigens auch wichtig, dass Forderungen wie die verordnete "Funkstille" endlich von der politischen Tagesordnung verschwinden, und nicht ständig vor Reizüberflutung, diversen Suchten und Gefahren durch die Möglichkeiten digitaler Kommunikation gewarnt wird. Und das immernoch salonfähige Schwachvonderseite-Ansehen, wenn ich in der U-Bahn oder im Kino oder sonstwo ausserhalb der Geschäftszeiten auf mein iPhone blicke ist auch nicht wirklich förderlich für flexible Arbeitsmodelle. Ich habe das Gefühl, dass wir an einem Punkt angekommen sind, wo wir uns ernsthaft darüber Gedanken machen müssen, in welche Richtung wir gehen wollen und welchen Stellenwert unsere Kinder eigentlich haben - in Zukunft haben sollen. Es ist Zeit für eine vollumfängliche Selbstreflexion, die entscheidend sein wird für das personelle Wohlbefinden der Menschen, vor allem der Eltern und Großeltern in diesem Land. Und das persönliche Glück ist ein weit wichtigerer Wirtschaftsfaktor, als so mancher glauben mag. Wir müssen uns die Frage stellen: Wie wichtig sind Kinder für uns und wie führen wir in Zukunft familienpolitische Diskussionen? So wie beim Betreuungsgeld darf es jedenfalls auf Dauer nicht laufen. Das schmerz, entmutigt und diskriminiert - und vor allem stellt es elterliche Fürsorge im Frage und macht Kinder zur Verfügungsmasse. Das sollte uns in höchste Alarmbereitschaft versetzen. Abgeordnete haben hinter ihrem Namen immer bestimmte Zusätze: MdB (Mitglied des Bundestages), MdL (Mitglied des Landtages) oder MdEP (Mitglied des Europäischen Parlaments). Bei den Dieter Hundts dieser Tage schlage ich vor, in Zukunft folgenden Zusatz anzufügen: EmdFh (Einfach mal...) #nuffsaid

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