LilaBlog

DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

Eine echte Herausforderung in Mittelfranken – Die Challenge Roth 2016

3aed6607-f697-48e4-92d9-4d495d9d9c90.jpgRoth ist eine kleine Stadt in Mittelfranken. Wie Ansbach, wie Fürth, wie Erlangen. Einmal im Jahr ist Roth wie Hawaii. Dann nämlich, wenn die Challenge ansteht. Dann findet dort der größte Langdistanz-Triathlon der Welt statt und nicht wenige Menschen zelten, um einen der begehrten Startplätze zu ergattern. Als Stefan mich daher im Frühjahr fragte, ob ich Lust hätte, in einer Staffel den Läufer-Part zu übernehmen, musste ich nicht lange überlegen und sagte, trotz eines bereits relativ engen Wettbewerbskalenders, sofort zu. Nun war es soweit: Am vergangenen Wochenende ging es los und die ersten Termin - nachdem Stefan glücklicherweise schon vor der großen Anreisewelle der Athleten die Startunterlagen organisiert hatte - waren der Check-In des Fahrrads und ein kurzes Teammeating mit unserem Schwimmer Michael. Wir sprachen kurz über Treffpunkte, angestrebte Zeiten und die Wetterprognosen. Im Anschluss daran ging es direkt nach Roth in den Arenabereich zur Wettkampfbesprechung für alle Athleten. Zuvor gönnten wir uns auf der Messe, die eher einem riesigen Freizeitpark glich, ein (selbstverständlich) alkoholfreies Bier und schließlich ging es in das große weiße Zelt, wo wir dann nochmals mit den Regularien für den nächsten Tag vertraut gemacht wurden. Auf die Ankündigung, der Läufer müsse pro blauer Karte des Radfahrers (Regelverstoß) einen Extrakilometer laufen, erntete Stefan einen mahnenden bis drohenden Seitenblick von mir - und um es gleich vorweg zu nehmen: Ich musste in der Tat "nur" die 42 km laufen. Schließlich ging es zurück und nachdem wir den Wettbewerbstag nochmal durchgeplant hatten, stand Ausruhen und Schlafen auf dem Programm. Am nächsten Morgen dann endlich: Raceday! Wir rechneten durch, wann in etwa jeder in seiner Wechselzone sein musste, wünschten uns Glück und trennten uns. Von nun an musste jeder seinen eigenen Weg gehen. Als Läufer ist man bei einer Triathlon-Staffel logischerweise als letzter dran und ich wusste, als ich mich morgens um 8 Uhr von Stefan verabschiedete und Michael eine Stunde später im Wasser starten würde, dass ich nun noch etwa 8 Stunden Zeit hätte, bis ich "dran" sein würde. Also machte ich mich auf zu unserem Team-Zelt (wir starteten für das Team Arndt, das mit einer Vielzahl von Einzel- und Staffelstartern vor Ort war), wo noch ein kleines zweites Frühstück wartete (Obst und Breze). Anschließend machte ich mich per Bustransfer auf den Weg zum Solarer Berg - dem Höhepunkt des Radrennens, um noch einiges von der einmaligen Stimmung der Challenge mitzunehmen. Inzwischen war es ziemlich warm geworden und trotz einiger Wolken, schien die Sonne doch recht ordentlich vom Himmel. Wir hatten uns ausgerechnet, dass Stefan irgendwann zwischen 16 Uhr und 16.30 Uhr an der Wechselzone 2 sein würde, um den Transmitter an mich zu übergeben und mich auf die letzten 42 Kilometer unseres Rennens zu schicken. Also machte ich mich nach einem weiteren Aufenthalt in unserer Team Zone am Rande der Laufstrecke (der neue Weltrekordhalter Jan Frodeno lief bereits an uns vorbei ins Ziel) so langsam auf und war mit genügend Zeitpuffer um 15 Uhr in der Wechselzone. Hier begann endlich das übliche Ritual unmittelbar vor dem Wettkampf: Einen kleinen Schluck trinken, einen PowerBar-Riegel und das Aufwärmprogramm - ausreichend Dixis gab es auch, für den letzten Toilettengang - einer der wichtigsten Punkte auf der Agenda vor dem Start. An der Seite war ein kleiner Infodesk aufgebaut, an dem man seine Teamkollegen tracken konnte und so wusste ich, Stefans erwartete Ankunftszeit war 16.03 Uhr. Das war flott. Ich rechnete in der Zwischenzeit nochmal durch: Mein Ziel war es, möglichst unter 3 Stunden zu bleiben, was eine Pace von 4,14 pro Kilometer bedeutete - für eine Persönliche Bestzeit (2:46:37) war die Strecke nicht geeignet, ist für eine Staffel ohnehin eher unüblich und passte auch nicht in die bereits laufende Vorbereitungszeit für den Berlin Marathon im September. Außerdem waren wir bereits bei 26 Grad angelangt. Nicht dramatisch heiß, aber in der Sonne doch kräftezehrend. Also: locker bleiben. Fast auf die prognostizierte Minute genau kam Stefan schließlich in die Wechselzone, ließ sich sein Rad abnehmen und trabte auf mich zu. Er wirkte stabil, sagte, es sei gut gegangen und ich nahm ihm den Transmitter ab. Los ging es! Die Strecke führte aus Roth heraus, ich überholte einen älteren Läufer, der mir "See You in a few hours" hinterherrief und achtete darauf, nicht zu schnell ins Rennen zu starten. Bei Kilometer 1 zeigte meine Uhr 3`57 an und ich nahm das Tempo etwas heraus. Nach etwa 10 Kilometern hatte ich mich dann einigermaßen eingependelt, lag bei etwa 4`10 pro Kilometer und wurde hin und wieder etwas schneller (4`03, 4`02, 4`01, 4`05). Um die Tücken der Strecke zu verstehen, muss man wissen, dass man auf den gesamten 42 Kilometern in Roth mit Gegenverkehr klarkommen muss. Die Strecke ist insgesamt relativ eng und führt zum größten Teil am Kanal entlang und gerade als Staffelläufer ist man logischerweise ununterbrochen am Überholen - schließlich haben die anderen Athleten bereits 3,8 Kilometer Schwimmen und 180 Kilometer Radfahren in den Muskeln und Knochen. Zudem gibt es so gut keinen Schatten und die Sonne strahlte an diesem Nachmittag vom mittelfränkischen Himmel und grüßte freundlich bis schelmisch. Spätestens an der Halbmarathonmarke grüßte ich dann nicht mehr zurück, denn ab dort wurde mir so langsam klar, dass meine Kräfte nachließen. Ob das noch weitere 21 Kilometer in dem Tempo gut gehen würde...? Schließlich, nach gut 22 Kilometern, entschied ich mich dazu, das Tempo herunterzufahren, die 4`14/km würden nicht durchgängig bis zum Ende zu halten sein. Der neue Plan war, die folgenden 10 Kilometer langsamer zu laufen und zu sehen, ob auf den letzten 10 noch genügend Reserven da sein würden, das Tempo wieder anzuziehen. Ich pendelte mich irgendwo zwischen 4`40 und 4`50 ein und nahm mir vor, an jeder Verpflegung etwas zu trinken, dabei jeweils zwei bis drei Sekunden in den Geh-Modus zu schalten, um auch wirklich den ganzen Becher auszukosten. Die Taktik ging auf. Ich fühlte mich zwar deutlich stärker gefordert, als ich es erwartet hatte, aber ich hatte das Gefühl, der totale Einbruch werde nicht mehr kommen, in dem Tempo würde ich durchlaufen können. An der 30er Marke schließlich entschied ich mich dann auch genau dazu: Durchzulaufen, viel zu trinken und die vielen Schwämme, die von den Helfern angeboten wurden, anzunehmen. Keine Temposteigerung mehr. Bei Kilometer 38 kam ich erneut an unserem Team-Zelt vorbei, an dem Punkt, an dem ich einige Stunden zuvor "Frodo" zugejubelt hatte und einige hundert Meter weiter standen Michael und Stefan am Streckenrand, jubelten wiederum mir zu und riefen: "Wir treffen uns am Zieleinlauf zum gemeinsamen Finish!" Ich hob den Daumen. Die letzten Kilometer ziehen sich dann nochmal etwas hin, es geht teilweise etwas bergauf und kreuz und quer durch Roth. Man bekam das Gefühl, jede Straßenbiegung und Seitenstraße mitnehmen zu müssen, damit man auch wirklich auf die 42 Kilometer kommen würde. Schließlich war ich an dem 600 Meter langen roten Teppich angelangt und in der Tat: Michael und Stefan standen da, warteten auf mich und liefen links und rechts von mir in das aufgebaute Stadion ein. 100 Meter vor der Ziellinie nahmen wir uns an die Hand, liefen gemeinsam ins Finish und waren angekommen. Ich schaute auf die Uhr: 3:03:42. Mehr war heute nicht drin, aber wirklich enttäuscht war ich nicht, weil ich das Gefühl hatte, die Kräfte richtig eingeteilt zu haben. Wir hatten es geschafft: Jeder für sich und alle gemeinsam. Strecke und Wetter und auch die lange Wartezeit waren in der Tat eine echte Challenge und als Stadtmarathoni und Morgenläufer habe ich mir schwerer getan, als ich es erwartet hatte. Durch ihre Eintönigkeit und Enge würde ich die Strecke vor allem als psychisch sehr anspruchsvoll bezeichnen. Der Wettbewerb insgesamt aber ist ein absolutes Highlight und ein echtes Rundum-Erlebnis. Eine ganze Region ist im Fieber, die Organisation ist von hinten bis vorne höchst professionell und fast ist man ein bisschen neidisch auf die Triathleten, die hier das ganze Programm durchziehen. An dieser Stelle nochmal ein Dank an das großartige Staffelteam! We did it!

, ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.