LilaBlog

DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

Gut, dass es Verrückte gibt!

Manchmal frage ich mich, ob nicht ein kleiner Gernot Hassknecht in mir schlummert, der immer dann erwacht, wenn mich Leute im Netz gerade besonders aufregen. So auch am vergangenen Wochenende, als Felix Baumgartner von der "Weltraumgrenze" im freien Fall auf die Erde zuraste. Vielleicht sollte man bei solchen emotionalen Großereignissen einfach mal auf den Second Screen verzichten. Vielleicht wäre hier der richtige Zeitpunkt für ein "twoff" - um sich die Faszination und die Begeisterung für das Ganze nicht vermiesen zu lassen. Denn neben einigen, die das genau so aufregend fanden wie ich, fanden sich viel zu viele Leute in meiner Timeline, die an nichts anderes denken konnten, als daran, dass Red Bull das Projekt finanziert hat und das Logo des Sponsors fortwährend irgendwo auftauchte. Während Baugartner die Tür seiner Kapsel öffnete und einem die Erde entgegenstrahlte - ein Bild, das mehr als atemberaubend war - meckerten und ätzten sie gegen die Werbeindustrie und gegen Baumgartner selbst und dass ja alles nur aus reinerProfitgier geschehe. Es sind die gleichen Leute, die sich daran stoßen, dass Menschen eine kultartige Emotionalität für ein technisches Produkt entwickeln, und bereit sind, dafür stundenlang vor Geschäften zu warten. Es sind die Leute, die sich darüber aufregen, dass Millionen sich darüber freuen, wenn eine junge Frau einen internationalen Musikwettbewerb "für ihr Land" gewinnt und der Ministerpräsident sie am Flughafen empfängt, und es sind die Leute, die hinter dem Hype um ein Kinderbuch, für das die jungen Leser vor den Buchläden übernachten, nur einen riesigen Marketinggag sehen. Visionen lassen sich mit einer solchen Denke nicht entwickeln, schon gar nicht umsetzen. Wer immer nur alles schlecht redet, wer hinter jedem Projekt nur Profitgier und Marktinteressen vermutet - dass diese Interessen immer auch ein Teil von solchen Projekten sind , bestreite ich gar nicht - der wird die Welt nicht verändern, der wird nie auch nur die Energie dazu aufbringen können, Unmögliches zu denken und an Visionen zu glauben, weil er viel zu sehr damit beschäftigt ist, alles vermeintlich Schlechte zu kritisieren. Klar: Felix Baumgartner ist ein bisschen verrückt. Wie sollte das auch anders sein, wenn man sich in Schallgeschwindigkeit aus dem All herabfallen lässt? Aber gottseidank gibt es genug verrückte Menschen, die bereit sind, an ihre Grenzen zu gehen, die über die etablierten Limits hinaus denken und die Dinge wagen, die ein stark vernunftgesteuerter Mensch sich niemals trauen würde. Ich weiß nicht, ob es wirklich "typisch deutsch" ist, immer alles schlecht machen zu müssen. Ich hoffe nicht. Sonst könnten wir, wenn die Skeptiker und Kulturpessimisten einmal wirklich Einfluss haben sollten, schon bald das Land der perspektivisch hoffnungslos beschränkten und mutlosen Miesepeter werden. "Here's to the crazy ones...!"

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