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DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

Ich breche eine Lanze für den Paniniritter!

panini.jpg.scaled1000Immer wenn ein großes Fußballevent ansteht, begegnet einem wieder einer dieser alten Kindheitshelden, die einem im Supermarkt, an der Tanke oder im Netz daran erinnern, dass man doch mal eine echt gute Zeit miteinander hatte. Einer dieser Helden ist für mich der kleine Paniniritter - Kämpfer für die Macht der Bilder und Antreiber zu bedingungsloser Vollständigkeit. Edelmann aus de m Geschlecht der Sammelwüter. Der kleine tapfere Mann, der ein bisschen aussieht, als ob ihm gerade der Helm abfackelt, hat uns schon früh gelehrt, hart zu verhandeln, und ertragreiche Tauschgeschäfte abzuschließen, um irgendwann unser "fertiges" Heft so stolz vor der Brust zu tragen, wie der kleine Kämpfer seinen Schild und seine (etwas albern lange) Lanze. Zu meiner Paninisammelglanzzeit war Lothar Matthäus noch richtig was wert und für einen heute fast vergessenen Andi Möller bekam man mindestens 4 Spieler der spanischen oder niederländischen Nationalmannschaft. Die Nerds von damals, die zu jener Zeit übrigens noch nichts mit dem Internet zu tun hatten, sondern einfach gut in Mathe und schlecht in Sport waren, ließen sich die fehlenden Sticker immer im frankierten und adressierten Rückumschlag aus der Paninizentrale in Stuttgart zuschicken. Das war damals schon irgendwie uncool. Das war ungefähr so, als wenn man heute dafür bezahlt, um Follower bei Twitter zu bekommen oder sich Facebook-Freunde von Agenturen zusammenfaken lässt. Ein Armutszeugnis. Aber den Paniniritter gibt es immernoch. Und mir ist auch klar, warum: Weil er lange, bevor Marc Zuckerberg die Teilhabe- und Interaktionsbegeisterung junger Menschen entdeckt hat, für eben diese immer und immer wieder gekämpft hat. Das Stickeralbum als Partikular-Timeline, die man seinen Freunden zeigen kann, die man dann auffordert, ihnen ein fehlendes Bild zu "posten". "ch gebe Dir den "Neuer" und Du bekommst den fehlenden "Gomez". Deal. Gefällt mir! Man sammelt schließlich nicht fürs stille Kämmerlein, sondern auch um der sozialen Annerkennung willen, die man für die coolsten Bilder und das lückenloseste Sticker-Heft bekommt. Panini erfüllt damit die Grundbedürfnisse nach Kommunikation und Selbstdarstellung und war somit Social Media weit vor dem Digitalen Zeitalter. Eigene Kinder zu haben ist großartig. Aus Tausenden von Gründen. Einer dieser Gründe, ein unbedeutender aber irgendwie doch auch ein nennenswerter ist, dass man dem kleinen Paniniritter wieder ein bisschen näher kommt. tl; dr; "Und dann bitte noch zwei Päckchen von den Panini-Bildern. - Ist nicht für mich, ist für meine Tochter. Hüstel."

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