LilaBlog

DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

Wenn ich meinem iPhone das vollste Vertrauen aussprechen muss…

StraßeMUCNeulich war ich mal wieder Laufen. Osterferien in München. Das Wetter war eine Frechheit: Von 5 Lauftagen hatte ich am ersten Tag: Schneesturm, am zweiten Tag: Regen, am dritten Tag: Sonne, am vierten Tag: Nieselregen und am letzten Tag: Zwei Grad bei leichtem Wind. Es ist ja bekannt, dass ich nicht gerade der Schönwetterläufer bin und den Winter größtenteils auf dem Laufband im Fitnessstudio verbringe, aber ab Mitte März geht es raus, egal, welches Wetter herrscht. Das verlangt die Läuferehre und der Trainingsplan. Am letzten Tag besagter Woche ist mir dann bei Kilometer 17 Folgendes passiert: Ich lief die feinstaubgeschwängerte Landshuter Allee entlang und ein Song auf meiner Playlist war gerade zu ende (ich weiß leider nicht mehr genau, welcher es war). Soweit alles gut. Nach etwa 10 Sekunden dachte ich: „Komisch, warum kommt der nächste Song nicht? Hidden Track? Unwahrscheinlich.“ Nach weiteren 10 Sekunden ahnte ich, was es sein musste und Erinnerungen an mein altes iPhone 5 wurden wach. Da war es nämlich so, dass sich das Schmuckstück grundsätzlich nach einer bestimmten Zeit ausschaltete, wenn die Temperatur unter eine bestimmte Grenze fielen. Wir reden hier nicht über eine Grenze nahe der Minus-20-Grad-Marke, sondern über Temperaturen im niedrigen Plusbereich. Jetzt also wieder das gleiche Problem beim längst höherentwickelten Modell? Bei einem Produkt, dass noch immer zum Aushängeschild eines der wertvollsten Unternehmen der Welt gehört? Das wäre nicht schön. Aber warum regt mich das so auf, dass ich unmittelbar nach dem Vorfall zahlreiche Wuttweets in die Timelines meiner geschätzten Follower spüle? Warum beschäftigt es mich offensichtlich so stark, dass ich noch Wochen danach diesen Blogbeitrag verfasse. Wahrscheinlich aus zwei wesentlichen Gründen: Zum einen haben sich viele alltägliche Aktivitäten wie Hobbies durch die Digitalisierung und die Quantified-Self Bewegung bereits so weit verändert, dass die technologische Begleitung und die social-mediale Nachbereitung untrennbar damit verbunden sind. Die Denke dahinter: Wenn Nikeplus meinen 17. Kilometer nicht aufgezeichnet hat, bin ich ihn auch nicht gelaufen. Das ist ziemlich albern. Andererseits ist die digitale Fitnessanwendung der Marke meines Vertrauens aber eben auch ein Analysetool, das nur dann sinnvoll ist, wenn die Daten möglichst vollständig und zuverlässig erfasst und verarbeitet werden. Zum anderen, und damit komme ich zum zweiten Grund für den nach außen getragenen Ärger, gibt man viel Geld aus für sein technisches Equipment und investiert eine Menge Zeit dafür und da bin ich nunmal so anspruchsvoll und erwarte, dass diese Fürsorglichkeit und Zuwendung nicht unerwidert bleiben. Aber nicht nur das: Viele Produkte kauft man heute ja nicht mehr nur und nutzt sie dann unauffällig für sich, sondern man zelebriert sie in der Öffentlichkeit. Wie oft habe ich das iPhone und den angebissenen Apfel gegen Pragmatiker aus dem Lager der illusionslosen Konkurrenz verteidigt? Wie oft habe ich mich beleidigt gegen Witze gewehrt, die sich über meine kurzen Akkulaufzeiten oder Softwareupdate-Kollateralschäden lustig gemacht haben? Und wie oft habe ich vor dem Bildschirm gesessen, die UPS Pakettrackingseite wieder und wieder auf ihren Status hin aktualisiert und dann im Liveticker davon berichtet, wie ich das endlich erhaltene Schächtelchen langsam und ehrfürchtig ausgepackt habe? Für all das möchte ich keinen goldenen Apfel oder eine Platin-Itunes-Card für besondere Verdienste um die Mitgliedschaft in der Fanboy-Gemeinde. Aber ich erwarte, dass, wenn ich bei Wind und Wetter meine Runden ziehe, mein Begleiter, den ich dann am Armband und damit ach so nah am Herzen trage, nicht im Stich lässt. Eine gute Beziehung hält nur dann, wenn die Partner sich auch an Tagen aufeinander verlassen können, an denen nicht die Sonne scheint. Wenn es kalt wird und sich der Himmel verdunkelt, dann zeigen sich die wahren Freunde. Spätestens im nächsten Winter wird unsere Beziehung der nächsten Prüfung unterzogen. Allzu viele Enttäuschungen darf es nicht mehr geben.

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