LilaBlog

DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

Das Laufen. Das Leben.

Wovor ich weglaufe? Wohin ich laufe? Weder das eine noch das andere kann ich beantworten. Das ist wie die Frage, woher wir kommen und woher wir gehen. 

Henne, Ei. Ei, Henne.

Auch auf die Frage danach, warum ich eigentlich laufe, kann ich nicht so ohne Weiteres eine Antwort finden.

Ich kann höchstens beschreiben, wie er sich anfühlt, wie es ist, wenn man sich jeden Tag, bei jedem Wetter und in jedem – oder doch fast jedem -körperlichen und geistigen Zustand auf die Straße, in den Park oder auf die Bahn begibt und läuft. Schnell, langsam, sehr schnell oder beides im Wechsel.  
Am Anfang ist es schwer. Die ersten Schritte sind die schwierigsten, machen keinen Spaß, aber sind nötig für das, was dann kommen soll. Schließlich wird es immer besser. Man wird sicher, selbstbewusst. Manchmal auch wieder unsicher darüber, ob man einen guten Tag erwischt hat. Aber letztlich ist man doch irgendwann im „Flow“, fühlt sich beflügelt, spielt mit dem Tempo und freut sich, wenn der Schmerz ausbleibt oder sich umarmen lässt und auszuhalten ist. Manchmal wird man überholt. Und ärgert sich. Manchmal überholt man und freut sich. Dann muss man aufpassen, dass einen der Leichtsinn und die Überheblichkeit nicht umschlingen und das gewonnene Selbstbewusstsein nicht wieder auffrisst.

Irgendwann aber hat man seine Geschwindigkeit gefunden, läuft gleichmäßig, mal einen Berg hinauf und dann wieder hinunter. Beschleunigt, bremst ab. Freiwillig oder gezwungenermaßen. Bisweilen braucht man einen Verpflegungspunkt, eine Hand, die sich nach einem ausstreckt, einem etwas reicht. Oder ein Gesicht, das einen anlächelt und einem etwas Nettes sagt. Etwas, das irgendwie auch aus dem Inneren kommt und nicht nur deshalb geäußert wird, weil man sich zufällig am Streckenrand begegnet.

Irgendwann regnet es. Stürmt, blitzt und donnert es vielleicht auch mal. Und dann hat man Angst. Oder man ruft „Soll das alles sein? So bekommst Du mich nicht klein!“

Am Ende wird es immer etwas beschwerlich, oftmals eine Qual – unvorhersehbar aber allemal. Die letzten Kilometer mögen sich ziehen, mögen vor allem dann schmerzen, wenn man zuvor mit viel oder zuviel Energie unterwegs war.

Es ist ein Geschenk, wenn man am Ende der Strecke steht und jeden Abschnitt oder doch vieles davon, genossen, sich vielleicht auch mal komplett verloren und sich hinreißen lassen hat zu der einen oder anderen vermeintlichen Dummheit. Wenn man bei sich war und trotzdem alles um einen herum wahr- und irgendwie mitgenommen hat. Wenn man für sich alleine und doch mit vielen anderen auf dem Weg war, die für sich gekämpft haben und es doch immer gut mit einem gemeint haben. 

Dann läuft man ins Ziel. Erschöpft, müde, am Ende. Und doch zufrieden, weil nach jeder Krise doch immer irgendwie wieder der Flow kam.

Das Laufen. Das Leben.


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