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DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

Warum ich beim Laufen nicht grüße

IMG_8588Berlin, Samstag Morgen, 6.30 Uhr. Die Sonne geht auf. Ich laufe eine meiner Lieblingsstrecken am Spreeufer im Regierungsviertel auf den Tiergarten zu und von weitem glänzt mir die Goldelse entgegen. Kaum jemand ist unterwegs um diese Zeit. Es sind mit die schönsten Stunden der Stadt. In einiger Entfernung sehe ich, wie mir ein anderer Läufer entgegen kommt und automatisch fühlt man sich ein bisschen verbunden. Zwei, die zur selben Zeit am selben Ort mit vermutlich ähnlicher Leidenschaft das Gleiche tun, während die meisten Mitmenschen noch im Bett liegen oder gerade Brötchen holen. Man nähert sich dem anderen, begegnet sich auf gleicher Höhe, bemerkt sich mehr oder weniger aus dem Augenwinkel und.... läuft weiter. Kein Gruß, höchstens noch ein kurzer, eher zufälliger oder besser: unvermeidlicher Blickkontakt. In den vergangenen Monaten ist mir immer wieder die Frage begegnet, ob man sich denn nicht eigentlich besser grüßen sollte, so von Läufer zu Läufer. Wir haben eine Laufgruppe, in der wir das pflegen, das Grüßen. Kommt uns jemand trabend, joggend, sprintend entgegen auf unseren Runden, rufen wir ein fröhliches "Hallo" oder "Hi" entgegen. Manche sind überrascht, manche lächeln, manche grüßen zurück - mit Worten oder einer verbindlichen Geste. Und auch der begeisterte Läufer Mike Kleiß beschäftigt sich in einem sehr lesenswerten Beitrag mit dem Thema. Dennoch, und hiermit ist es raus: Laufe ich alleine, grüße ich nicht. Das hat nichts damit zu tun, dass ich grundsätzlich ein eher unhöflicher Mensch wäre - im Gegenteil: Ich grüße meistens zu oft, was ich daran merke, dass ein erstaunlich und frustrierend hoher Anteil der Gegrüßten nicht oder nicht eindeutig oder nur völlig uninspiriert zurück grüßt. Aber wenn ich mich im Laufschritt bewege, ist das völlig anders. Denn ich gehöre zu den Läufern, die den vielzitierten und für nicht Laufbegeisterte leicht autistisch anmutenden "Tunnel" brauchen, wenn sie unterwegs sind. Ich gehöre zu denen, die weniger MIT ANDEREN, als vielmehr FÜR SICH laufen. Laufen ist für mich nicht nur Sport und Leistung, sondern auch und zu einem großen Teil Meditation. Gewissermaßen ist es ein Anti-Mannschaftssport im positivsten Sinne. Meistens habe ich auch noch Musik im Ohr, was sportlich und emotional ungemein pushen kann, den Tunneleffekt, das Herauslösen aus dem sozialen Umfeld bei gleichzeitigem Eintauchen in die Straßen und Wege der Stadt aber noch deutlich verstärkt. Das Laufen ist für mich ein sehr einsames Erlebnis, das nur dadurch seine volle Wirkung entfalten kann. So wie Kinder die heute bedauerlicherweise in Ungnade gefallene Langeweile brauchen, um Kreativität zu entwickeln, so brauchen Läufer die Einsamkeit, um die Kraft zu schöpfen, die ihnen geistige, seelische und körperliche Fitness und Ausgeglichenheit beschert. Diese Einsamkeit funktioniert logischerweise nur, wenn das Umfeld nur ein Mindestmaß, also am besten: keine soziale Interaktion verlangt. Sollten wir uns also irgendwo einmal über den Weg laufen, seid mir nicht böse, wenn ich nicht "Hallo" sage. Ich meine es nicht persönlich und freue mich innerlich, Euch getroffen zu haben.

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