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Höhepunkte und ein Vorspiel – Das Laufjahr 2018

Ein Laufjahresrückblick ist meist wie ein Disneyfilm: Es gibt einzelne Höhepunkte, um die herum sich der Rest des Plots abspielt, es gibt meistens ein Ereignis des Leids und der Trauer, bevor alles dann mit Pauken und Trompeten auf ein fulminantes Happy End zusteuert. Und es gibt tolle Akteure, die alle zur großen Geschichte gehören.

Mein Laufjahr 2018 eignet sich vielleicht besonders gut für dieses Schema, kommt zum Happy End nach einer Reihe sehr emotionaler Ereignisse doch noch eine große Portion Aufbruchstimmung dazu: Auf zu neuen Gefilden, ins unbekannte, geheimnisvolle Land! Aber das Ende soll gefälligst am Ende stehen. Und damit zum Anfang.

Inzwischen fast schon traditionell, begann das Jahr mit dem Pankower Pfannkuchenlauf: 6,5 Kilometer, all out, überfüllte Laufstrecke und sechs Runden á 1000 Meter. Spaß macht das nicht, aber effektiv ist es. Ein (anstrengendes) Warming-Up.

Ende Januar kam dann schon der erste wirkliche Höhepunkt: Mein Ultra-Debüt in Rodgau beim 50K-Ultra. Das erste Mal in meinem Leben bin ich weiter als 42,195 Kilometer gelaufen. Es sollte ein Test sein. Kein klassischer Testwettkampf, sondern ein Ausprobieren, ob ich den langsamen Wechsel von der Marathon- zur Distanz jenseits der 42 Kilometer ernsthaft verfolgen sollte oder besser nicht.

Foto: Frederic Schneider

Den ausführlichen Bericht dazu gibt es an anderer Stelle und alle Rennberichte sind am Ende dieses kleinen Rückblicks nochmal verlinkt, aber die Quintessenz aus Rodgau ist, dass mir der Lauf großen Spaß gemacht hat und auch mit der Zeit war ich zufrieden. Das Tor zu den größeren Distanzen war geöffnet, erste vorsichtige Schritte getan und am Horizont blitzte schon so ganz kurz eine dreistellige Zahl auf.

Bevor es weiterging mit den neuen Erfahrungen, einer fortwährenden Reise in Richtung  Lauf-Neuland, stand der Frühjahrsmarathon an, für den ich mir in diesem Jahr Wien ausgesucht hatte. Die Vorbereitung lief gut und ohne besondere Vorkommnisse. Ich nahm am Lauf der Sympathie teil, einem 10 Kilometer-Rennen und in diesem Fall ein Kampf gegen eine Wand aus Gegenwind. Das Ergebnis war der Enttäuschung näher als der Freude und mir wurde aufs Neue klar, dass die Kurz- und Mitteldistanzen und ich keine Freunde mehr würden.

Aus einem mir noch immer nicht ganz klaren Grund – vermutlich, weil ich mir Ziele eher zu hoch setze, als zu niedrig, was ich durchaus für sinnvoll erachte – spielte ich mit dem Gedanken, in Wien an die Persönliche Bestzeit heranzulaufen: Es sollte ein kleines Desaster werden und zum ersten Mal überhaupt bezweifelte ich bereits vor der Halbmarathonmarke, dass ich die volle Distanz wirklich bewältigen würde. Es war ein Kampf und die Zeit war weit weg von dem, was ich mir erhofft hatte.

Nach dem Zieleinlauf in Wien

Aber es war ein mentaler Kraftakt und vielleicht ein wertvolles Lehrstück auf dem Weg zur mentalen Stärke, die man, je weiter der Weg wird, umso mehr benötigt.

Sie würde weiter gefestigt werden: Beim Wings for Life Run in München, einem Lauf, bei dem man von einem Auto verfolgt wird und so lange laufen darf, bis man eingeholt wird, schaffte ich mit 46 Kilometern ebenfalls einen Mini-Ultra und war um eine weitere wertvolle Erfahrung reicher. Ein nächster Schritt in unbekannte Gefilden war gesetzt mit einem Lauferlebnis, das ich nicht nur wegen der schönen Strecke nicht missen wollte. Ich musste vor allem lernen, ein Rennen völlig anders einzuteilen, als ich es bisher gewohnt war. Am Anfang noch deutlich disziplinierter die Kräfte zu sparen, als bei einer vorher festgelegten Strecke, da man hier ja nicht wusste, wie lange man laufen würde, das fordert dieses Format. Der Wings for Life Run ist eine gute Schule für das eigene Körpergefühl.

Start beim Wings for Life Run 2018 in München

Auch dieser Lauf hat Kraft gekostet, ich regenerierte aber relativ schnell, was nötig war, denn eines der absoluten Jahreshighlights stand bevor, der Wettbewerb, der neben dem Herbstmarathon die meiste Kraft von allen Rennen kostet: Der Brüder-Grimm-Lauf. 82 Kilometer. 3 Tage. 5 Etappen.

Ich nahm in diesem Jahr zum dritten Mal in Folge teil, erreichte mein bestes Ergebnis beim Debüt, wurde im vergangenen Jahr auf der letzten der fünf Etappen völlig zerstört und wollte in diesem Jahr wieder an die PB anknüpfen.

Auch hier war ich mit der Zeit am Ende aber nicht zufrieden. Ich war drei Minuten langsamer als im letzten Jahr und neun Minuten langsamer als bei meinem ersten Start 2016. Es reichte zwar wieder für den 4. Gesamtplatz (das scheint hier meine feste Position im Ranking zu sein), aber was mir noch wichtiger war: Meine Konstitution war in keiner Weise vergleichbar mit dem Häufchen Elend, das ich im Jahr zuvor noch dargestellt hatte. Positiv also war: Ich hatte mein Rennen über die drei Tage richtig eingeteilt und genug Kraft, auch am Ende, auf der letzten Etappe, stabil und konstant zu laufen. Der Brüder-Grimm-Lauf bleibt ein fieser Endgegner. Aber irgendwann…

Foto: Anna B. Kuhlmann

Mit dem Ende dieses Etappenlaufs im Main-Kinzig-Kreis beginnt in der Regel die Vorbereitung auf den Herbstmarathon, der für mich fast automatisch nur eines bedeutet: Berlin Marathon.

Zum Training dafür gehörte in diesem Jahr wieder der Start bei der Challenge Roth als Teil der Triathlon-Staffel. Als ich im Frühjahr gefragt wurde, ob ich wieder dabei sein wollte, erinnerte ich mich: Ich hatte da noch eine Rechnung offen. Bei meinem ersten Start in Roth ging es mir schlecht und ich verpasste das Ziel, den Marathon unter 3 Stunden zu laufen, das ich mir fest vorgenommen hatte.

In diesem Jahr lief es dagegen perfekt. Ich war früh im “Flow”, fühlte bereits an der Halbmarathonmarke, dass das heute gut werden würde, lief von Anfang bis Ende konstant und locker und war nach 2:47:35 sicher im Ziel. Es reichte für das Podium in der Mixed-Staffel-Wertung, wo wir den dritten Platz erreichten. Dabei kostete mich das Rennen nicht so viel Kraft, dass es die Vorbereitung für Berlin beeinträchtigt hätte. Das war sehr wichtig.

Nicht nur, was das Ergebnis angeht, auch emotional war der Berlin Marathon schließlich auch in diesem Jahr der absolute Höhepunkt. Es war der beste Lauf des Jahres – worauf ich auch hingearbeitet hatte. Nie bin ich auf diese Distanz so konstant gelaufen (erste Hälfte in 1:20:00, zweite Hälfte in 1:20:13) und auch wenn ich am Ende alles gegeben hatte und die letzten Kilometer von Schmerz erfüllt waren, konnte ich auch hier bis zur Ziellinie durchlaufen, ohne bedeutend an Tempo verloren zu haben. Ich passierte die Ziellinie nach 2:40:13. Sicher bleibt auch hier Luft nach oben, die magische 2:40er-Marke bleibt vorerst um 13 Sekunden verfehlt – ein weiterer Endgegner. Aber dieses Gefühl, auch beim Zieleinlauf nach einer neuen PB noch stabil zu sein, ist sehr zufriedenstellend.

Zieleinlauf beim Berlin Marathon 2018
Foto: sportograf

Es war ein anstrengendes Jahr und zum Zeitpunkt des Starts auf der Straße des 17. Juni hatte ich fast 12 Monate mehr oder weniger durchgehendes Training hinter mir, meine beiden ersten Ultras gefinisht und bereits Ende 2017 einen Trailmarathon mit 1600 Höhenmetern bewältigt (der vielleicht wichtigste Meilenstein für den Rodgau-Ultra, und damit bereits sehr früh in diesem Jahr der Neuerungen).

Für mich ist es wichtig, die Saison mit einem echten Erfolg, in dem Fall einer neuen Persönlichen Bestzeit, zu beenden, denn der Weg war lang und hart. Und auch wenn das Training Spaß macht und ich ohne diese täglichen kleineren und größeren Herausforderungen, nicht leben möchte: Die Rückmeldung, der Beweis, dass dies alles auch zu einem konkreten Erfolg führt, ist elementar. Jeder Athlet muss für sich selbst entscheiden, wieviel Punkte er sich auf einer Skala geben würde, die angibt, wie kompetitiv er an die eigenen Ziele herangeht und wie hoch er sich letztere steckt. Ich würde mir eine relativ hohe Punktzahl geben. Nicht, weil ich besser sein will als andere, sondern, weil ein Weg, den man geht, ein Ziel haben und dieses Ziel etwas Besonderes sein muss, von dem man irgendwann einmal geglaubt haben sollte, man könne es nie erreichen. „Der Weg ist das Ziel“, heißt es. Das stimmt nur bedingt. Denn ich brauche ein Ziel am Ende dieses Wegs, das mich herausfordert, den richtigen Weg zu finden. Die Aufgabe, sich gemeinsam mit Körper und Geist aufzumachen, ist ein wesentlicher Bestandteil des Laufens für mich.

Auch in diesem Jahr habe ich an bereits erwähntem Berliner Brockenlauf teilgenommen: 18 Runden, 42 Kilometer, 1600 Höhenmeter. Ich konnte mich um fast 30 Minuten verbessern, stellte einen neuen Streckenrekord auf und war konstant und stabil bis zum Ende.

Der Lauf war der Abschluss des Jahres, der vielleicht noch gefehlt hatte, um mir zu zeigen, dass ich bereit bin, 2019 völlig neue Wege einzuschlagen. Bereits an verschiedenen Stellen habe ich ja angekündigt, im Mai beim WHEW100 meine ersten 100 Kilometer am Stück zu laufen. Aus Marathon wurde 2018 Ultra. Aus Ultra wird 2019 Ultra, aber richtig.

Der Berliner Brockenlauf
Foto: Heiko Grimm

Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass die Protagonisten in diesem Text noch fehlen. Die Menschen, die mich in meinem Laufjahr begleiten, die mir zusprechen, die an mich glauben, die mir sagen, dass mein Weg Inspiration und Motivation sei für ihre eigenen Ziele und Herausforderungen.

Dazu gehört vor allem eine Familie, die das alles mitmacht. Dafür kann man nur unendlich dankbar sein. Ich bin es. Sehr!

Dazu gehört Andreas, Freund und Trainer. Er hat es manchmal nicht leicht mit mir, es wird durchaus auch mal diskutiert. Das beste Rezept für den Erfolg.

Dazu gehört Stefan und seine Familie, die mich in Roth mit Kost, Logis und der Betreuung abseits der Rennstrecke unterstützten.

Dazu gehört Heiko, der mich im Mai über 100 Kilometer begleiten wir – mental und auf dem Rad.

Und Daniel, mit dem ich im Projekt LaufenLieben100K (#LL100K), einer kürzlich gestarteten Podcast-Reihe, von eben jenem Weg nach Wuppertal zum WHEW100 berichten und ihn dokumentieren werde. Er macht sich auch auf dorthin – und gemeinsam macht es doppelt Spaß.

Dazu gehören viele andere Menschen, die ich gar nicht alle nennen kann und möchte – zum einen, weil ich nicht weiß, ob ihnen das recht wäre und zum anderen würde ich nicht den Eindruck einer Reihenfolge erwecken wollen. Sie sind alle gleich wichtig.

Dazu gehört ein Arbeitsumfeld, das Verständnis hat für intensive Trainings- und Wettbewerbszeiten. Kollegen und Vorgesetzte, die das nicht nur zähneknirschend akzeptieren, sondern unterstützen und an der Strecke stehen (wörtlich und im metaphorischen Sinne).

Dazu gehören viele andere Freunde, die in vielen Bereichen ganz anders denken als ich, und dennoch die gleiche Leidenschaft teilen. Über das Laufen kann man schließlich immer reden. Es verbindet auch bei Differenzen.

Danke an alle – und danke an alle, die das alles Lesen. Für’s “Mitlaufen”, für’s Mit-Dabei-Sein.

Berichte und Links:
Der Rodgau50 Ultramarathon
Wien Marathon 2018
Wings for Life World Run München 2018
Der Brüder-Grimm-Lauf 2018
Die Challenge Roth 2018
Der Berlin Marathon 2018
#LL100K – Der Podcast über den Weg zu den 100 Kilometern

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2 thoughts on “Höhepunkte und ein Vorspiel – Das Laufjahr 2018

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