LilaBlog

DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

LEGO-Figuren erleben, was man sie erleben lässt.

LegoFriendsEin siebenjähriges Mädchen schreibt an Lego und beschwert sich, dass der dänische Spielwarenhersteller ein falsches Rollenbild vermittle.  Joooaa, möchte man sagen. Das mit den Rittern und den Ninjakämpfern ist schon eher eine männerlastige Umgebung. Stimmt schon. Aber das Mädchen beschwert sich auch darüber, dass die Lego-Mädchen den ganzen Tag im Pool rumhängen oder zum Shoppen gehen und sich langweilen würden - "während die Männer auf coolen LEGO-Technik Trucks herumcruisen, einer sinnvollen Arbeit nachgehen, andere Menschen retten, mit Haien schwimmen oder eben ninjakämpfen" - könnte man anfügen. Zunächst einmal ist es ja schon ganz cool, dass das kleine Mädchen sich hinsetzt und sich auf durchaus unterhaltsame Weise von der Leber schreibt, was ihr nicht passt. Insofern, um das gleich mal zu sagen: Wenn den Brief die kleine Charlotte wirklich selbst geschrieben hat, ist das durchaus witzig und hat einen gewissen Charme. Aber dennoch kann ich – als Vater zweier Töchter – nicht ganz nachvollziehen, warum genau sich das kleine Mädchen so aufregt. Denn wenn man - wie bei der einst erfolgreichen Familiensendung "Wetten dass…?" inzwischen Usus - den Kinderbonus einmal abzieht, muss man sagen, hat Charlotte nicht so ganz Recht – man kann ihr zumindest etwas entgegenhalten. Vermutlich bezieht sie sich mit Ihrem Wutkinderbrief auf die "LEGO-Friends"-Reihe, eine Gruppe von Mädchen, die in der Fantasiestadt „Heartlake City“ wohnt und dort – ja genau: Abenteuer erlebt. Langweilig ist den Mädchen nicht – zumindest dann nicht, wenn das Kind, das mit ihnen spielt, sich die richtigen Geschichten ausdenkt. Dazu kommt: Die Mädchen sind in der Schule – und gottseidank darf man in ihrem Alter eben noch keinem festen Beruf nachgehen. Daher handelt es sich auch nicht um Frauen mit Karriere oder aufregenden Jobs. Eines der Mädchen möchte Tierärztin werden, ihre Mutter hat einen eigenen Salon. Ein anderes Mädchen spielt leidenschaftlich gerne Fußball und es gibt ein Buch, in dem man zusammen mit den "Friends" auf Schatzsuche gehen kann – so ganz vollgepackt mit überholten Klischees ist das alles nicht. Sicher: Dies alles ist eine Mädchenwelt. Man kann natürlich jetzt wieder diskutieren, ob das immer alles in Rosa, Pink und Lila sein muss – was ich hier nicht tun möchte, weil ich mit Zielgruppenorientierung kein Problem habe und es auch nicht schlimm finde, wenn Mädchen diese Farben schön finden – meine Kinder übrigens auch nicht. Ich muss die Frage hier also stellen: Wo ist das Problem? Ist es nicht eher fraglich, warum ein siebenjähriges Mädchen sich so sehr in eine Rolle gedrängt fühlt, dass es nicht mit Rittern spielen will, sondern eben ihr eigenes Mädchenspielzeug haben möchte – nur eben "cooler" und männlicher, oder  - wenn das der falsche Ausdruck sein sollte - dann irgendwie anders und gleichberechtigter? Wieso sollten sich Mädels nicht auch für das "Lord of the Rings" – Sortiment interessieren?  Und was ist mit "LEGO-City", einer Stadt mit Männern und Frauen – wie im richtigen Leben? Und warum kann man die Welten denn nicht vermischen? Warum sollten die Mädchen aus "Heatlake-City" nicht auch in "LEGO-City" wohnen und dort als Erwachsene als Lehrerinnen, Bürgermeisterinnen oder Ärztinnen arbeiten? Liebe Charlotte, lass Deiner Fantasie freien Lauf! Denk Dir coole Geschichten aus von spannenden Abenteuern und mache Deine LEGO-Mädels zu Heldinnen, denen die mit Haien schwimmenden Jungs nur neidvoll hinterher blicken können. Betrachte das, was Du auf der Verpackung siehst als Vorschlag nicht als Vorgabe! Die Figuren erleben das, was DU sie erleben lässt – nicht, was sich ein Produktdesigner ausgedacht hat. Bau Dir Deine Welt! Das war – soweit ich weiß – einer der Grundgedanken von denjenigen, denen Du Deinen Brief geschrieben hast.   

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