LilaBlog

DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

re:re:publica

Wenn man nach drei Tagen re:publica im Zug zurück sitzt, stellt man erstmal fest, dass es sehr viel Sinn macht, die Veranstaltung von Mittwoch bis Freitag laufen zu lassen, weil man nach gefühlt 100 Sessions auf 8 verschiedenen Stages, die im Stil wie im Inhalt erfreulicherweise sehr unterschiedlich waren, erstmal froh ist, dass das Wochenende kommt. p78.jpg.scaled1000Spannend in diesem Jahr war vor allem die Tatsache, dass es sich hier natürlich nicht mehr um eine Klientel-Tagung für ein paar Internetbegeisterte handelt, sondern wir uns quasi auf der re:publica im Jahr eins der Netzpolitik als etabliertem Thema im politischen Diskurs befanden. Mit dem Internet befasst sich im Moment eigentlich jeder intensivst - oder behauptet das zumindest von sich. Und so war eines der ersten Dinge, die einem auffielen, nachdem man die Location erreicht hatte: Die Heterogenität des Publikums. Ich habe sogar eine Krawatte gesehen! Ein vorhersehbarer Höhepunkt war natürlich wieder die Main-Act-Keynote von Sascha Lobo am Eröffnungsabend. Das Verblüffende daran war aber eigentlich nicht unbedingt der Vortrag an sich, sondern eher der Titel des ("Überraschungs-) Auftritts: "Der Stand des Internet" - ohne "s" am Ende, wobei nicht der Eindruck entstanden ist, dass diese Kleinigkeit der künstlerischen Freiheit eine besondere Bedeutung hatte. Überraschend daran war aber, dass dieser Titel tatsächlich ein perfektes Summary der gesamten 3 Tage darstellt - so etwas wie "Das Narrativ" (das heimliche 'Wort der #rp12'): "Es geht um den Stand des Internet(s)". Eine geheime Absprache zwischen Lobo und den Veranstaltern scheint aufgrund der erwarteten Eigendynamik der einzelnen Panels unwahrscheinlich). In der Retrospektive war es nämlich genau das: Ein dreitägiger Diskurs darüber, wo man sich gerade befindet, und wie das alles jetzt eigentlich weiter gehen soll. Immer wieder trat in den Sessions die Frage auf: Was kann, was soll, was muss die Politik eigentlich tun, und was sollte man lieber "die Gesellschaft" übernehmen lassen? Was muss in Europa geklärt, was von der Bundesregierung geregelt werden und wie bringt man sich da als Nutzer, als Betroffener am besten ein? Und was muss "Die Industrie" (etwa beim Urheberrecht) leisten, um ein Leben im digitalen Zeitalter in eine möglichst flauschige Zukunft zu führen? Es wurden insgesamt mehr Fragen gestellt als Antworten gegeben. Nach dem Motto: "Wir wissen einfach noch nicht, wo die Reise hingeht, aber schön, dass Ihr alle in den Zug in die Zukunft eingestiegen seid" - weshalb auch die Wahl der Location, die "Station" in Berlin ziemlich genial war. Das war ehrlich und spannend und deshalb gewinnbringender, als ein Sammelsurium an utopischen Zukunftskonzepten präsentieren zu wollen. Woran man übrigens ebenfalls merkt, dass die Zeiten sich massiv geändert haben: Das Netz bricht zwar immernoch regelmäßig zusammen, wenn es mehrere User gleichzeitig auf engerem Raum nutzen wollen. Aber man erhält nun einen persönlichen Entschuldigungstweet von der Telekom. Der Spaß kam übrigens auch nicht zu kurz: Nokia spendierte den meisten Besuchern ein Freibier nach dem anderen, an der "Gift-Machine" konnte man nette Preise gewinnen, nachdem man sich mit foursquare eingecheckt hatte und Simyo bewahrte uns mit "Power Packs" davor, wie sonst das gesamte Veranstaltungsgelände nach Steckdosen absuchen zu müssen, um die Akkus um ein paar Prozent zu reanimieren. Die Äußerlichkeiten passten perfekt zu dem, was so gesagt und diskutiert wurde: So, wie jeder Besucher seinen eigenen Plastikstuhl in die Sessions mitbringen durfte, wenn er keinen festen Platz mehr bekommen hatte, so sind wir alle nach dieser re:publica eingeladen, uns dazu zu setzen und uns mal Gedanken darüber zu machen, wie es weitergeht mit diesem Internet und dem Digitalen als Lebensform. Dazu hat die re:publica das Publikum eingeladen. Und die Politik. Und die Medien. Und die Wirtschaft. #flausch oder #shitstorm - es bleibt spannend. tl; dr; #rp12 war ehrlich und definierte die Aufgaben für die nächsten Jahre. Das Internet ist nicht mehr nerdy - oder war es nie.

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