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DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

re:publica 13 – Es steht unentschieden!

Foto rp13 3 Tage Internet. 3 Tage Nerds. 3 Tage in einer Welt, in der man als Wissender unter Mitwissenden ist. Die Netzgemeinde gesammelt an einem Ort: in Berlin.

So ungefähr konnte man einen Beitrag über die re:publica beginnen, die in vielen Artikeln der "Massenmedien" noch immer gerne als "Bloggertreffen" umschrieben wird. So kann man heute aber eigentlich keinen Beitrag über die re:publica mehr beginnen. Denn das Internet ist inzwischen überall und das merkt man der Veranstaltung auch an. Die Nerds (wer oder was sind denn eigentlich Nerds und wie hat sich dieser Begriff in den letzten Jahren verändert?) sind auch längst nicht mehr unter sich. Das Publikum ist ebenso ein Querschnitt durch die Gesellschaft wie die Netzpolitik ein Querschnitt durch das die Gesellschaft betreffende Themenspektrum Internet ist. Das ist grundsätzlich gut. Aber nicht nur. Denn was von der #rp13 hängen bleibt, ist, dass Netzpolitik zwar in dieser unserer Gesellschaft und glücklicherweise auch im politischen Diskurs angekommen zu sein scheint. Es bleibt aber auch ein leichter Beigeschmack von Ratlosigkeit, was diese Ankunft denn nun eigentlich bedeutet. Was machen wir denn jetzt damit? Und was macht die Telekom? Und Google? Und die Regierung? Und überhaupt! Und so überrascht es nicht, dass auch Sascha Lobo bei seinem Überraschungsvortrag am Abend des ersten Tages im Vergleich zum letzten Jahr keine wirklich neue Message aufbieten kann. Denn, dass man etwas "machen" muss, dass man als Netzgemeinde versuchen muss, politisch etwas zu bewegen, das haben wir 2012 auch schon gehört. Und vermutlich haben wir sogar versucht, das zu befolgen. Ein eigenes Logo für das Internet, das Lobo auch vorschlägt, ist zwar unterhaltsam, bringt uns aber auch nicht unbedingt viel weiter und steht somit wiederum als Symbol für die Ratlosigkeit im Bezug auf die nächsten Schritte. Aber da gibt es dann doch noch etwas, was man bei genauerer Betrachtung als ernsthafte Aufgabe für die nächsten - vermutlich: Jahre ansehen kann. Auch das ist zwar nicht ganz neu oder gar überraschend, aber vielleicht braucht es erst einen Sascha Lobo und eine dazugehörige re:publica, um es in die reale Welt hinauszutragen: Es ist die Message "Geht aufeinander zu!" Macht Kompromisse! Rantet und basht nicht gleich alles und jeden kurz und klein, wenn es nicht genau so läuft, wie Ihr Euch das vorstellt. Und vielleicht wirkt die #rp13 auch deshalb so extrem unaufgeregt, fast schon eine Nummer zu sachlich, weil es nun nach Themensetting und Empörung über die Unwissenheit der Nicht-Affinen tatsächlich darauf ankommt, gemeinsam das zu gestalten, was einmal eine echte digitale Gesellschaft werden soll. Die re:publica spiegelt den Stand dieser Entwicklung bis ins Detail wieder: wo letztes Jahr noch eine ausgedruckte Twitterwall stand, findet sich eine gestylte Screen-Kombi des Premiumpartners. Die Journalitsten-Dichte wird immer größer und das Gesamtsetting, samt Layouts und Raumgestaltung erinnert nicht mehr an eine Indie-Veranstaltung, sondern an einen echten Fachkongress - mit tadellos funktionierendem W-Lan. Die re:publica wird immer professioneller. Auch das ist gut! Nicht gut ist aber, dass in diesem Jahr auch irgendwie die großen Namen fehlten. Kein Steffen Seibert, keine Neellie Kroes und auch sonst niemand, von dem man ernsthaft sagen könnte: Wow, den oder die wollte ich schon immer mal sehen. Dem Line-Up fehlten ein bisschen die Main-Acts. Die re:publica 2013 hatte den Charakter einer Halbzeitpause. Man traf sich zu Gesprächen, man blickte ein bisschen auf die erste Hälfte zurück - auf das, was bisher geschehen ist. Und nun hofft man auf die nächste Hälfte, zu der dann bekanntermaßen auch die entscheidenden Schlussminuten gehören: Die Minuten, auf die es dann wirklich ankommt, die spielentscheidend sind. Die Zeit, bevor man weiß, ob man am Ende gewonnen oder verloren hat. Zur Halbzeit steht es unentschieden. Es ist noch alles drin...

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