LilaBlog

DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

Shall we dance? Zur Frage nach dem Sinn eines Tanzverbots.

So sicher wie die Debatte um die Zeitumstellung, kommt gegen Ostern auch alljährlich die Debatte um die stillen Feiertage und das damit verbundene Tanzverbot. Bei aller ernsthaften Verwunderung darüber, dass wir es noch immer nicht geschafft haben, die an Schwachsinn kaum zu überbietende Zeitumstellung abzuschaffen, ist es bei der Karfreitagsfrage schon ein bisschen komplizierter. Es ist richtig, der Karfreitag ist einer der wichtigsten christlichen Feiertage und in einer christlichen Gesellschaft, die wir natürlich sind - auch wenn das manche immer wieder gerne bestreiten - ist das nicht irgendein freier Tag der irgendetwas mit irgendeinem Heiligen zu tun hat. Aus völlig untheologischer Sicht betrachtet ist der Karfreitag der Beginn eines Festes, das nicht nur für den Glauben des Christentums steht, sondern das ganze Leben widerspiegelt wie kaum ein anderer Bestandteil unserer westlichen Symbolik: Verlust und Gewinn, Trauer und Freude, Verzweiflung und Hoffnung, Zweifel und Glaube, Tod und Leben - das alles ist Ostern. Und wie sagte mein Pfarrer immer: "Nach jedem Karfreitag kommt auch wieder ein Ostersonntag". Das Problem mit dem Tanzverbot ist: Staatlich vorgegebene Enthaltsamkeit bringt keine einzigen Menschen die Bedeutung dieser Tage näher. Denn wer glaubt, dass jemand sich mit dem Tod Jesu näher beschäftigt, weil er um 2 statt um 4 Uhr den Club verlässt, der ist für seinen Optimismus fast schon zu beneiden. Ein bisschen naiv ist das aber auch. Wäre man konsequent, dann müsste man auch den Fleischverzehr und den Genuss von Alkohol an diesem Tag verbieten.  Außerdem ist fraglich, ob es dem Gedanken der stillen Feiertage wirklich zuträglich ist, wenn man damit nicht etwa das Leid Christi und den Auferstehungsgedanken verbindet, sondern einzig die Tatsache, dass man an dem Tag zu Hause bleiben muss. Zwang ist meistens nicht das richtige Mittel gegen gedankliche Hürden und Interesselosigkeit. Auch das Argument der Entschleuigung und der Einkehr funktioniert nur bedingt: Denn wenn Entspannung vom Alltagsstress, von Leistungsdruck und Termingehetze bedeutet, dass man einfach mit anderen Menschen tanzen und singen möchte, dann ist das ja auch eine Form der Entschleunigung und das Abschaltens. Was das Besinnungs-Argument angeht, fällt es mir schwer zu glauben, dass junge Menschen sich zur inneren Einkehr zu Hause aufs Sofa setzen, nur weil sie die Nacht zuvor nicht mit Musik und Kaltgetränk verbracht haben. Ich möchte jetzt mal naiv sein und stelle mir (übrigens als überzeugter Christ) mal die Frage: Wie wäre es denn, wenn die jungen Menschen nach einer Clubnacht am Karfreitag Morgen nach Hause kommen, und am späteren Vormittag zum familiären Frühstück zusammenkämen, um im Anschluss auch den restlichen Tag gemeinsam zu verbringen, weil sie sich der Bedeutung des Tages bewusst wären? Wie wäre es, wenn sich diese jungen Menschen dann Abends den päpstlichen Kreuzweg ansehen würden, bevor sie sich mit Ihren Freunden treffen um in die Clubnacht zu ziehen und wenn sie dann das Gefühl häben, keine Stunde des Tages verschwendet zu haben? Sicher, einen stillen Feiertag aus Respekt und aus Gründen unserer Tradition einzuhalten ist ein Argument. Aber ist wirklich viel Respekt im Spiel und ist der Tradition wirklich gedient, wenn Menschen den Karfreitag als Bevormundung, Einschränkung und nervende Einmischung in ihre Freizeitgestaltung empfinden? - "Karfreitag? Das ist doch das mit dem Tanzverbot". Das alles wird nicht automatisch besser, wenn man das Tanzverbot abschafft, aber die Wahrscheinlichkeit, dass aus einer ablehnenden Haltung eine bejahende Einstellung wird oder zumindest die Bereitschaft wächst, sich mit der Bedeutung des Festes auseinanderzusetzen, wird dadurch vielleicht ein bisschen größer. Wie wäre es, wenn die Menschen den Karfreitag und das ganze Osterfest wieder VERSTEHEN würden und nicht nur gut fänden, weil man ein langes Wochenende zur Verfügung hat? Und sind wir doch ehrlich, wenn jemand am Freitagabend der Karwoche mit anderen Menschen feiert und seine persönlichen Karfreitage, die kleinen und großen Ärgernisse des Alltags, für ein paar Stunden zu kleinen Sonntagen macht, dann kommt das dem österlichen Gedanken letztendlich wesentlich näher, als zu Hause frustriert vor der Playstation zu sitzen und diesen hohen Feiertag innerlich zu verfluchen. Verbote, die vor allem junge Menschen nicht nachvollziehen können und die komplett ihrer Lebenswirklichkeit widersprechen, bringen ihnen weder kulturelle Werte noch den christlichen Gedanken auch nur einen Deut näher. Im Gegenteil - sie schrecken eher ab. Schade um das Osterfest und seinen wunderbaren Gedanken!

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