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DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

The Voice Kids – ernstgemeinte Glitzerwelt

Am Freitag gab es die erste Sendung von The Voice Kids - ein Spin Off der The Voice-Shows, die es nicht nur in Deutschland gibt. Und natürlich denkt man da sofort an die inzwischen nur noch als Persiflage zu betrachtende Mini Playback Show und die heute kaum mehr zu ertragenden "Wonneproppen". Eines der erfreulichsten Dinge, die man gleich nach den ersten Minuten von The Voice Kids sagen kann, ist, dass das Ganze ungefähr soviel mit der Mini Playback Show zu tun hat wie Heino mit Rammstein. Es geht hier nicht um Imitation, sondern um Interpretation und nimmt man sich wahllos zwei der angetretenen Kinder heraus, die da auftreten, dann haben die mehr Talent und künstlerisches Potential als alle DSDS Kandidaten, Gewinner und Jurymitglieder zusammengenommen - und um ein Vielfaches multipliziert. Natürlich muss man sich immer die Frage stellen, ob das wirklich sein muss und ob das alles wirklich kindgerecht ist. Es gibt so einige Wissenschaftler, die Bedenken haben, wenn es um Kinder in Castingshows geht. Wahrscheinlich sogar zu Recht. Aber so ganz castinshowtypisch läuft es bei The Voice eigentlich gar nicht. Hier gibt es keine knallharten Juroren, die (be-)schimpfen und den Teilnehmern erzählen, wie blöd und untalentiert sie eigentlich seien. Und hier werden auch keine gescheiterten Bewerber der Lächerlichkeit preisgegeben, die es nicht in die Show geschafft haben oder deren entscheidender Auftritt vor der Kamera nicht gut genug zum Weiterkommen war. Erfreulich ist auch, dass es hier keine überdrehten Moderatoren oder unlustige Comedians in Prolotrainingsanzügen gibt, die die Kids zulabern, nachdem sie irgendwas am Geruch oder am Geschmack oder an sonst was erkennen mussten. Man hat das Gefühl, dass keines der Kinder nur deswegen da steht, weil es irgendwie süß, verrückt, besonders frech oder ein Wunderkind ist. Sie stehen da, weil sie echt verdammt gut singen können und in ihren jungen Jahren schon mit dem Selbstvertrauen ausgestattet sind, sich vor ein Millionenpulikum zu stellen. Es sind Talente, die zu Recht gesagt bekommen, dass sie etwas können. Natürlich werden sie nicht nur gelobt, sondern sind "einfach nur wahnsinn", machen "total sprachlos" oder verleiten die Coaches immer wieder zu einem schmachtenden "o mein Gooooooooott, wie geil" und an der einen oder anderen Stelle wäre ein aufschlussreicheres Lob vielleicht... naja: aufschlussreicher gewesen. Aber alle Teilnehmer zeigen, dass sie es können und bekommen das auch gesagt. Allein dadurch bleibt ihnen die Schmach einer Blamage vor der großen TV-Nation erspart. Dass alles perfekt inszeniert ist und manche Dinge auch ein bisschen arg unecht wirken (besonders die Einspieler, in denen die Kinder angeblich davon überrascht werden, dass sie zu den Blind Auditions eingeladen werden), das muss man vermutlich nunmal hinnehmen. Aber hier werden keine Kinder zur Schau gestellt, sondern ihnen eine Bühne geboten. Und dabei dürfen sie auch noch ein paar Promis knuddeln. Auch nett... The Voice Kids hat so ein bisschen was von einer rosaroten Disney-Prinzessinnenwelt, keine Frage. Aber diese Glitzerwelt wirkt, verglichen mit vielen anderen Kinderauftritten in der deutschen Fernsehlandschaft, deutlich ernsthafter. Der Preis für den Gewinner ist auch nicht der große Plattenvertrag, sondern 15.000 Euro für die Ausbildung. Auch was die Coaches betrifft, handelt es sich hier nicht um Dschungelheimkehrer oder pleitegegangene B-Promis, sondern Menschen, die auch als Künstler ernst genommen werden können. Auch das ist angenehm und passt ins Konzept. Sein Talent stolz zu präsentieren, dies bewerten zu lassen, konstruktive Kritik (kein persönliches Bashing) anzunehmen und enttäuscht, aber nicht am Boden zerstört zu sein, wenn nicht gleich der große Erfolg an der nächsten Ecke wartet - das alles vermittelt The Voice Kids neben all der großen Show-Welt mit "Love"-Schildchen und dem Meet and Greet-Erlebnis mit den Idolen. Was abzuwarten bleibt, und das ist das eigentliche Problem, ist die mediale Begleitung des Wettbewerbs. Wenn beispielsweise eine 8-jähriges Mädchen wie Chelsea, die nach ihrem ersten Auftritt bereits zu den Favoriten gehört, am Ende als Siegerin gekrönt wird, dann ist fraglich, wie sie mit dem multimedialen Hype um ihre Person umgehen können wird. Gleiches gilt übrigens dann auch für die Eltern. Vor allem ist die Frage, wie das Kind und sein Umfeld damit klar kommt, wenn es ihm so geht, wie allen anderen Gewinnern aus allen anderen Castingshows auch: nach ein paar Monaten kräht kein Hahn mehr nach ihnen. Da hilft wohl bloß zu hoffen, dass nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Medien reif sind für gute Kindercastingshows. Um noch einen positiven Aspekt am Ende zu erwähnen: Talentierte Kinder auf auf einem absoluten Primetime-Sendeplatz in einem ernstgemeinten Unterhaltungsformat zu zeigen ist ein schönes Signal für ihren Stellenwert. Vielleicht hilf The Voice Kids so ganz nebenbei auch noch ein bisschen mit, das Grab für DSDS weiterzuschaufeln. Damit wäre uns allen irgendwie geholfen. The Voice Kids - Website

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