LilaBlog

DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

Trotz allem: Schokolade!

Vor Kurzem führte ich eine Twitter-Diskussion mit einer großen deutschen Krankenkasse – naja, Diskussion ist vielleicht zu viel gesagt, aber zumindest hat sich eine kleine Differenz darüber herauskristallisiert, ob es denn nun gesundheitsfördernd sei, ein Marathonläufer zu sein.

Und ich bleibe dabei: Wenn man für einen Marathon trainiert, und es ernst meint, dann muss man zwangsläufig darauf achten, was man mit seinem Körper so alles anstellt. Man achtet darauf, was, wie und wann man isst. Man weiß, dass man eher nicht zur Zigarette greifen sollte, wenn man gerade Langeweile hat (ist einem Marathoni überhaupt je langweilig?) und man wird weniger versucht sein, sich mal ordentlich die Kante zu geben – selbst wenn es mal nur für einen Abend mit echt tollen Leuten sein sollte, die man schon echt lange nicht mehr gesehen hat.

Ich selbst laufe zwar schon eine ganze Weile – mit (manchmal auch längeren und zu langen) Pausen wohl so um die 20 Jahre – aber so richtig ernsthaft, also: Marathon (!) erst seit rund 5 Jahren.

Vermutlich reagieren Menschen sehr unterschiedlich darauf, ihren ersten Laufwettbewerb über 42,195 Kilometer absolviert zu haben. Von „Nie wieder!“, bis zu „Wo kann ich mich für den nächsten anmelden?“ dürften alle Abstufungen der menschlichen Gemütslage vertreten sein.

Meine Empfindung lag wohl irgendwo zwischen Glück, unermesslicher Leidenschaft und einem für manche schwer nachvollziehbaren Ehrgeiz.

Und so war schnell klar, dass ich mich mit einem „guten Durchkommen“ nicht begnügen würde. Das Gute und Fatale am Laufen zugleich ist ja, dass man stetig besser wird, je mehr und disziplinierter man trainiert und man dies mit fast jeder Trainingseinheit auch wahrnimmt. Dazu kommt das Gefühl der grenzenlosen Freiheit, die man empfindet, wenn man wie ein Sinnestrunkener durch die Stadt läuft und Dinge wahrnimmt, die nur einem Läufer vorbehalten sind.

Man erlebt die Stadt, die einen umgibt völlig anders als andere, wenn das auf Laufschuhen zu einer Tageszeit geschieht, bei der andere in die Arbeit hetzen oder ausschlafen. Man kommuniziert förmlich mit seiner Umgebung, man erläuft sie.

Als jemand, der 2013 neu nach Berlin gekommen ist, kann ich sagen, dass ich diese Stadt niemals so sehr liebgewonnen hätte, wenn ich nicht kreuz und quer durch sie durchgelaufen und sie damit gewissermaßen aufgesogen hätte.

Ich schweife vom Thema ab und zeige doch einige der Gründe dafür auf, dass so manche Menschen von einer Laufsucht sprechen, wenn sie über ihre Aktivitäten berichten – und dabei an nichts Schlechtes denken. Ich zähle mich dazu.

Sucht verändert Menschen – und wenn man diesen fast immer pejorativ verwendeten Begriff durch ‚Leidenschaft‘ ersetzt, was sicher nicht oft gelingt, weil beide nicht unbedingt dem Paradebeispiel der Synonymität entsprechen – dann weiß man auch, dass diese Veränderungen nicht immer negativ sein müssen.

Dabei ist es ja schon objektiv betrachtet völlig einleuchtend, dass mehr dazu nötig ist, 42 km am Stück durch die Gegend zu laufen, als wöchentlich die besten Marathontipps auf Runnersworld.de zu lesen.

Und subjektiv betrachtet? In der Tat habe ich in meinem Leben viel verändert und auf das Laufen ausgerichtet. Vieles davon geschieht aber nicht bewusst, sondern eher automatisch, vielleicht, weil sich die Perspektive auf den eigenen Alltag, auf Selbstverständliches wie Essen, Trinken und Schlafen verändert. Und ein neuer Blick führt oft zu neuem Denken und Handeln. 

Sportliche Leistungen sind immer ein Deal mit dem eigenen Körper, der einem klar und deutlich signalisiert: Wenn Du willst, dass ich Dich stolz mache, dann kümmere Dich gefälligst um mich. Und so wird man zumindest ein bisschen genauer darüber nachdenken, ob es ratsam sein mag, diesen Deal von sich aus aufzukündigen…

Was mich betrifft: Ich trinke so gut wie keinen Alkohol mehr, esse bewusster und gesünder als früher. Auch die Zufuhr von Zucker versuche ich in Maßen zu halten, (wenngleich ich zum Beispiel bei Flavourshots im Kaffee auch mal das eine oder andere Auge zudrücke.) Außerdem bin ich seit einigen Jahren Vegetarier (was allerdings nichts mit dem Sport zu tun hat).

Aber eines ist geblieben: die tägliche – wirklich tägliche – Portion Schokolade.
Jeden Abend gönne ich mir ein Stückchen – was meist 2 Rippchen entspricht, also rund 30 Gramm.

Und vielleicht ist diese zarte Versuchung auch deshalb so unverzichtbar gut, weil sie eben trotz der Alltäglichkeit etwas Besonderes bleibt. Auch Schokolade ist doppelt gut, wenn man sie bewusst als solche zu sich nimmt. Die kleine Sünde, sie wird dadurch umso süßer.

Man sitzt nicht einfach vor dem Fernseher und stopft das Zeug in sich hinein, nein, man bricht sich Stückchen für Stückchen ab, nicht in Kette, sondern mit mal längeren und mal kürzeren Pausen dazwischen und lässt sie sich einzelnen auf der Zunge zergehen wie ein Weinkenner einen guten Wein, während die Laufklamotten für den nächsten Morgen ahnungslos (oder vielleicht auch heimlich wissend und in sich hinein schmunzelnd) vor der Haustür liegen.  

Auch das gehört zum Deal: Gemeinsam auch mal was „Verbotenes“ zu tun. Das schweißt zusammen.

Meine Lieblingsschokolade ist übrigens: MILKA Alpenmilch. 
 

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