LilaBlog

DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

Update zu meinem Fleischkonsum-Vorsatz

Nachdem der eine oder andere mich immer wieder fragen, was aus meinem Vorsatz geworden ist, nur noch ganz wenig Fleisch, und wenn, dann nur noch welches von "glücklichen" Tieren, also keines aus der Massenhaltung zu essen, hier mein Update. Um es kurz zu fassen: Ich bin komplett zum Vegetarier geworden. Das hat mehrere Gründe. Einer dieser Gründe ist Bequemlichkeit. Wenn ich irgendwo war und ein fleischloßes Gericht bestellt habe, dann habe ich immer erklären müssen, dass ich zwar eigentlich kein echter Vegetarier sei, aber Fleisch nur selten und eigentlich nur zu Hause esse, weil ich dann wisse, wo es herkäme und ich ja nicht so direkt gegen Fleisch an sich, sondern gegen die damit verbundene Tierhaltung sei und da ich nicht ausschließen könne, dass das hier gerade zu verspeisende Fleisch einmal unglücklich gewesen sei, verzichte ich besser darauf - und überhaupt: Der oder diejenige, die das alles wissen wolle, der solle doch einfach meien Blogbeitrag dazu lesen! Bis ich das alles erklärt und gegebenenfalls noch eine ergänzende Nachfrage beantwortet hatte, war das Essen kalt. Und ich fühlte das in oberflächlich interllektuellen Texten gerne zitierte Schwert des Damokles über mir, das wegen der Brise Inkonsequenz jeden Moment hernieder saußen und meine Argumentation in tausend Stücke zerfetzen konnte. Das machte den Appetit nicht gerade größer. Und diese Inkonsequenz ist ein weiterer Grund. Entweder ganz oder eben gar nicht. So ein bisschen vegetarisch macht irgendwie doch weniger Sinn als ich zunächst dachte. Und wenn ich das Schlachten an sich, mit allem, was so dazu gehört, ablehne, dann kann die letzte Konsequenz eben nur sein, ganz auf das dadurch entstehende Produkt zu verzichten. Und dann kommt noch der Entwöhnungseffekt dazu. Früher habe ich meinen Kaffee grundsätzlich mit zwei Stück Zucker getrunken. Irgendwann, in einer Fasteneit, habe ich auf den Zucker verzichtet und siehe da: Bis heute trinke ich Kaffee ganz ohne Zucker. So ähnlich ist das auch mit dem Fleisch. Erst denkt man: Ein Leben ohne Steak und Braten, ohne Pasta mit würziger Hackfleischsoße, ohne Pizza mit deftiger und scharfer Salami: Das alles geht gar nicht! Bis man merkt: Das geht wunderbar! Ich bin nicht depressiv, ich fühle mich nicht weniger fit, mein Körper ist nicht eingefallen und die Muskulatur hat sich nicht in Luft aufgelöst. Und ich werde gesellschaftlich weniger geächtet, als ich das immer befürchtet hatte. Natürlich bekommt man machmal skeptische Blicke oder kritische Nachfragen - und einmal, bei einem politischen Seminar, als ich mit einem der Teilnehmer eine mehr oder weniger hitzige Diskussion über ein sehr emotionales Thema hatte, kam der betreffende Herr am nächsten Tag beim Mittagessen an meinen Tisch, und sagte: "Ach, und Vegetarier sind Sie auch noch!". Glücklicherweise klopfte er mir dann aber freundschaftlich auf die Schulter und lächelte versöhnlich: "Nichts für ungut". Vielleicht denken sich auch die einen oder anderen Verwandten: "Was ist nur aus Dir geworden". Aber damit muss man leben können. Natürlich kann man mich leicht in den argumentatorischen Engpass treiben, wenn man mich darauf hinweist, dass ich ja auch noch Milch trinken und Eier, Joghurt und Schokolade essen würde. Und Gummibärchen würde ich ja wohl auch noch mögen - von dem Wein, der mit Gelatine gefiltert wird, gar nicht erst zu sprechen! Manche mögen dies inkonsequent nennen. Damit muss man dann eben auch leben. Denn eines ist auch klar: Wegen mir muss nun kein Tier mehr sterben. Aber wenn ich elendiglich zu Grunde ginge, weil ich auf Schokolade und Müsli verzichten, oder weil ich so viel Zeit in die Nahrungssuche investieren müsste, dass ich kraftlos zusammenbreche, dann wäre keinem Lebewesen der Welt damit geholfen - hoffe ich jedenfalls. Ein veganer Lebensstil ist für mich nicht möglich, würde Freunde und Bekannte nur nerven und damit zur sozialen Isolation führen und würde meine Leistungsfähigkeit körperlich wie seelisch vermutlich äußerst negativ beeinflussen. Vegetarisch zu leben allerdings ist kein Problem.

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4 thoughts on “Update zu meinem Fleischkonsum-Vorsatz

  • Felice sagt:

    „Denn eines ist auch klar: Wegen mir muss nun kein Tier mehr sterben.“

    Vorweg eines, damit kein Missverständnis aufkommt, wie du dich ernährst ist dein persönliches, unantastbares Recht, völlig unabhängig davon, ob es konsequent ist oder nicht und ob du es ideologisch begründest oder nicht. Darum soll es in meinem kurzen Kommentar auch nicht gehen.

    Viel mehr über den Irrtum deiner, von mir zitierten, Aussage. Der Irrtum des Vegetariertums ist nämlich genau dieser. Tatsache ist aber, das Tiere gründsätzlich meist aus strukturellen Gründen getötet werden. Strukturelle Gründe, deren Ursache die menschliche Zivilisation insgesamt ist und staatliche Gesellschaften im besonderen. Der Zweck der Lebensmittelproduktion ist nur ein Beispiel dieser strukturellen Tötung. Ein anderer wäre z.B. wenn Jäger und Förster gewisse Tiere zum Abschuss freigeben, um den Artbestand zu regulieren. Oder wenn der Mensch durch seine natürliche Ausbreitung den Selektionsdruck auf andere Arten erhöht und so ihr Sterben verursacht (dies war schon zur Zeiten der Urmenschen so, ist bei Primaten immer noch so und hat sich nur durch die Anzahl der Menschen so massiv ausgeweitet, dass gewisse Arten fast völlig verdrängt wurden).

    Der Irrtum des Vegetariers ist, dass er meint, wenn er in seiner Ernährung auf Fleisch verzichtet, dass er sich dann aus dieser gesellschaftlichen Struktur ausklinken könne und nicht mehr Teil ihrer praktischen Prozesse und ethischen Konsequenzen sei. Die subjektive Moral beruhigend wird die Verantwortung entsubjektiviert, die auch der Vegetarier weiterhin als sturkturelles Glied der menschlichen Gesellschaft hat. Und genau da liegt der Hund begraben: denn so lange der Vegetarier Teil der menschlichen Zivilisation und irgendeiner staatlichen Gemeinschaft ist, werden auch weiterhin wegen des Vegetariers Tiere aus strukturellen, seien es natürlich-selektive oder kulturell-produktive, Bedingungen getötet werden.

    Ein kleiner kritischer Einwurf von Felice. Vielleicht besuchst du mich ja mal auf meinem eigenen Blog: http://wissenhochdrei.blogspot.com/

    • wuchale sagt:

      Dazu fällt mir nur ein: klassisch daneben argumentiert. Die Aussage war doch eindeutig auf die Ernährung bezogen. Aber natürlich ist es schon richtig, dass beim nächsten Ausflug mit dem Fahrrad der Vorsatz über den Haufen geworfen wird: wenn eine Gelse verschluckt wird. Gemein.

  • der Nachdenker sagt:

    Bei mir war es in etwa genauso, wie du es geschrieben hast. Ich dachte auch am Anfang, das ein Leben ohne Steak quasi unmöglich wäre – diese Gedanken verflogen aber nach kurzer Zeit und nun bin ich schon mehr als drei Jahre Vegetarier (konsequent etwas durchzuziehen hilft generell bei vielem). Natürlich komme auch ich bzgl. Käse und Lab zum Beispiel manchmal in argumentatorische Engen, dann hilft es aber immer, das man erklärt, das für das betreffende Produkt viel weniger Tiere sterben und die Produkte nur Nebenerzeugnisse sind (niemand würde Schweine nur wegen der Gelatine töten – wobei ich eher ablenend gegenüber Gelatine stehe).
    Weil du das Thema mit dem Sozialen Tadel ansprichst: Ich glaube es kommt ganz auf die Gesellschaft an und wie stark in ihr Vegetarier vertreten sind. In meiner Verwandschaft sind die Leute eher etwas skeptisch und schauen mich schräg an, wenn ich nur Salat essen kann, weil Schnitzel, etc. nun mal nicht vegetarisch sind. Doch von den meisten Menschen denen ich begegne und die mitbekommen, das ich Vegetarier bin, höre ich nur positives deswegen. Viele bewundern es, das ich für meine Prinzipien auch Opfer eingehe und auf Dinge verzichte. Es macht damit auf viele einen positiven Eindruck.

    Vegan zu werden ist für mich auch keine Option, da man sich damit das Leben unnötig erschwert (selbst ein Gang zum Bäcker ist schon schwierig) und die vegane Lebensweise auch ein ganzes Stück teurer ist. Das mit dem sozialen Umfeld, weiß ich nicht so richtig: Es hängt wahrscheinlich davon ab, ob es geeignete (und bezahlbare) vegane Restaurants in der Nähe gibt und die Leute es nicht nur als Belastung ansehen. Darauf ankommen lassen, würde ich es aber auch nicht.

    Zu Felice‘ Kommentar ist nur eines zu sagen: Als Nichtvegetarier mit einer so abgehobenen Argumentation zu argumentieren, ist nicht zweckdienlich. Vegetarier denken nicht so hoch gestochen die meiste Zeit ihres Lebens – sie fühlen sich nur besser mit ihrem Verzicht und wollen im Normalfall ganz praktisch etwas umsetzen. In der Theorie ist vieles einfach. (Und als kleines Faktum noch: Fleischessen ist Verschwendung – aus etwa sieben pflanzlichen Kalorien wird in der Tierzucht nur eine fleischliche – und ist bei anhaltendem Bevölkerungswachstum nicht mehr in Einklang zu bringen mit der Ernährung der Weltbevölkerung, ähnliche Standpunkte vertreten auch große europäische Institutionen)

    Viel Spaß noch bei der Entdeckung der vegetarischen Küche und danke für den schönen Artikel.

    • Felice sagt:

      Der Nachdenker sagt:
      „Als Nichtvegetarier mit einer so abgehobenen Argumentation zu argumentieren, ist nicht zweckdienlich.“

      Lieber Nachdenker,
      das ist nicht nur kein valides Argument gegen meine Einwände, es ist leider auch symptomatisch als Reaktion. Im übrigen halte ich es für sehr zweckdienlich, ideologische Fehler einer Lebenshaltung aufzuzeigen. Denn wenn man sich von diesen befreit, ist sie auch widerspruchsfrei lebbar.

      Der Nachdenker sagt:
      „Und als kleines Faktum noch: Fleischessen ist Verschwendung – aus etwa sieben pflanzlichen Kalorien wird in der Tierzucht nur eine fleischliche – und ist bei anhaltendem Bevölkerungswachstum nicht mehr in Einklang zu bringen mit der Ernährung der Weltbevölkerung, ähnliche Standpunkte vertreten auch große europäische Institutionen“

      Im Übrigen ein Mythos, der vom Vegetarismus propagiert wird, und mit einer sinnvollen vegetarischen Ernährung nichts zu tun hat. Siehe dazu das Buch des Agraringenieurs Hans Georg Wagner + Rezension hier: http://www.eurasienblog.de/2013/03/20/neues-buch-irrtum-und-heuchelei-der-pflanzenesser/

      Der Nachdenker sagt:
      „Vegetarier denken nicht so hoch gestochen die meiste Zeit ihres Lebens – sie fühlen sich nur besser mit ihrem Verzicht und wollen im Normalfall ganz praktisch etwas umsetzen.“

      Was Vegetarier im allgemeinen denken und ob sie hochgestochen oder eher auf Tieffliegerniveau argumentieren, traue ich mich im Gegensatz zu dir, nicht zu beaurteilen. Aber in der Tat hast du recht, der Verzicht scheint mir doch der zentrale Aspekt einer vegetarischen Ernährung zu sein. Der obige Artikel von LudwigR war für mich Inspiration. Einmal für meinen Einwand, den ich noch etwas weitergedacht habe: http://wissenhochdrei.blogspot.de/2013/03/der-vegetarische-irrtum.html
      Und ein zweitesmal dafür, wie sich m.E. vegetarische Ernährung sinnvoll begründen lässt: http://wissenhochdrei.blogspot.de/2013/04/verzicht-der-eigentliche-sinn-einer.html

      Meine Absicht war es eher, denjenigen der sich vegetarisch ernähren möchte von ideologischen Ballast zu befreien. In diesem Sinne wünsche ich jedem Vegetarier, das er mit seiner Lebenshaltung viel Erfolg hat und sie zu seinem Wohlbefinden beiträgt.

      Beste Grüße
      Felice

      P.S. Lieber Blogautor, ich hoffe du siehst es als Kompliment an, wenn ich hier noch einmal auf meine Artikel verweise, für die in der Tat dein Beitrag Anstoßgeber war. Im übrigen empfehle ich deinen Blog auch unumschränkt auf dem Meinen. Viel Spaß & Erflog weiterhin beim bloggen!

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