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DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

Ein langer Winter führt nach Wien

Mitte April. Das ist normalerweise die Zeit, in der das Laufjahr auf den ersten Höhepunkt zusteuert und man die Pfade des eher entspannteren Wintertrainings längst hinter sich gelassen hat, um ins spezifische Marathontraining einzubiegen.

Und in der Tat stehe ich nun zwei Wochen vor dem wichtigen Frühjahrswettbewerb: Am 23. April starte ich beim Wien-Marathon.

Der Weg dorthin war diesmal wieder einmal ein etwas anderer als im Jahr zuvor.

Denn obwohl 2018 gerade erst angefangen hat, ist das Rennen in der österreichischen Bundeshauptstadt bereits der zweite Meilenstein meines "laufenden" Jahres.

Über meine Ultra-Premiere in Rodgau Ende Januar habe ich ja bereits berichtet. Und dennoch muss sie nochmal erwähnt werden, wenn man den Weg nach Wien betrachten möchte. Denn nie zuvor war der Winter so lang und so intensiv. Seit November 2017 gab es für mich fast keine Woche, in der ich weniger als 120 Kilometer gelaufen bin und mich nicht im spezifischen Training befand.

Dazu gehörten schnelle kürzere, lange Läufe mit langer Endbeschleunigung im Marathon-Tempo bei -12 Grad ebenso, wie sehr langsame Einheiten bei Glatteis oder beißend kaltem Ostwind. Die vielleicht härteste Einheit war die "Treppe" bei Neuschnee auf der Bahn, die ich dann tatsächlich auch ganz leicht abkürzen musste.

Lediglich dreimal musste ich dann doch aufs Laufband ausweichen - einmal wegen eines Sturm und zweimal wegen Temperaturen jenseits der -15 Grad.

Das Krafttraining habe ich allerdings diszipliniert absolvieren können und nochmal etwas in seiner Intensität verstärkt. In der Regel findet es einmal die Woche über 80 Minuten statt. Geräte zählen dabei ebenso dazu wie Gewichte. Der Effekt ist erfreulich: Vor allem bei den langen Läufen mit Endbeschleunigung, bei denen man neben seinem körperlichen auch sein mentales Durchhaltevermögen testet, merkte ich in den letzten Monaten besonders deutlich, wie auch bei Kilometer 35 die aufrechte Haltung und der saubere Laufstil noch möglich sind, auch wenn der muskuläre Schmerz am Ende der Einheit zunimmt. Dieses Gefühl der körperlichen Lockerheit und Stabilität wirkt sich extrem positiv auf den Kopf aus. Das könnte die entscheidenden Sekunden auf den letzten Marathon-Kilometern bringen, mit denen ich bisher immer die größten Probleme hatte.

Überhaupt kann ich diesmal mehr als in den letzten Jahren feststellen, dass mir bei den Einheiten über zwei Stunden die ersten 60 Minuten immer eher schwer fallen und sich die allgemeine Stimmung, das Körpergefühl und die Lust, einfach weiterzulaufen, sehr verlässlich ab der zweiten Stunde einstellt.

Das erklärt vielleicht auch, dass ich in diesem Jahr mehr als im letzten den einen oder anderen Kilometer mehr "gemacht" habe, als eigentlich im Trainingsplan vorgesehen und ich mich seit Januar bereits dreimal zu einem nicht unbedingt geplanten Trainingsmarathon habe hinreißen lassen. Hier hat der Kopf über den Körper gesiegt - und da möchte ich nicht unbedingt dagegen arbeiten. Vernünftig war das vielleicht nicht. Aber mal ehrlich: Wenn ich irgendwann einmal aus reinen Vernunftgründern laufen sollte, wäre es wohl an der Zeit, mir eine neue Sportart zu suchen...

Eine Komponente, auf die ich in den letzten Monaten komplett verzichtet habe, ist das Spinning. Dazu blieb diesmal einfach keine Zeit. Denn so sehr ich versuche, darauf zu achten, dem Körper genug sportlichen Ausgleich zu bieten, halte ich mich, wenn es terminlich knapp wird, dann doch an die gute alte Maxime: Im Zweifel für das Laufen. Zudem fahre ich jeden Tag (ja, auch bei minus 10 Grad) mit dem Fahrrad durch die Stadt - ins Büro oder zu Terminen. So ganz muss ich also nie auf alternative Trainingseffekte verzichten.

Regelmäßiges Dehnen, die Faszienrolle und die wöchentlichen Yoga-Einheiten konnte ich ebenfalls (einigermaßen) konsequent in meinen Trainingsalltag integrieren. Auch hier muss ich allerdings sagen, dass ich der Berlin-Vorbereitung vom letzten Jahr, die Frequenz der Einheiten betreffend, etwas hinterher hinke. Aber dies wenigstens noch im akzeptablen Bereich (hoffe ich zumindest).

Alles in allem also kann man sagen, hat sich die Vorbereitung für Wien vor allem auf Abwechslung im Lauftraining, hohe Umfänge und ein intensives Krafttraining konzentriert. Aus dem harten Wintertraining für Rodgau konnte ich eine Menge mitnehmen, das sich auch positiv auf die Marathonvorbereitung auswirkte, vor allem, was die mentale Stärke angeht. Und ganz besonders glücklich bin ich darüber, dass ich keine einzige Trainingseinheit ausfallen lassen musste. Keine Verletzung, keine Krankheit, keine zu heftige Erschöpfung.

Jetzt geht es ins zweiwöchige Tapering. Alles Weitere wird sich in Wien zeigen. Vienna calling! Küss' die Hand!

Infos zum Marathon in Wien findet Ihr hier.

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