LilaBlog

DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

Ich weiß, was ich letzten Urlaub gelesen habe

"Urlaubslektüre" klingt nicht gut. Das klingt nach Leichtem und Belanglosem. Nach Büchern, die am Strand irgendwo neben der Kühltruhe liegen und die man sich hin und wieder vornimmt, wenn man mal gerade nicht im Wasser ist, oder Abends im Bett nach dem Rotwein und dem Käsefondue noch kurz ein bisschen Zeit hat oder nicht einschlafen will oder kann. Weil die Haut noch brennt oder der Wein noch wirkt. Deshalb berichte ich hier nicht über meine Urlaubslektüre, sondern über die Bücher, die ich die letzten beiden Wochen gelesen habe. Darunter ist Leichtes und Schweres - Großartiges, Gutes und eher Belangloses. Empfehlen kann ich die Bücher aber eigentlich alle. Diese wären: Bernd Heinrich LAUFEN 349 Seiten Foto 1Vor Kurzem habe ich Haruki Murakamis "Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede" gelesen und nachdem mir daraufhin von jemandem ein weiteres Buch über das Thema empfohlen wurde, passte es ganz gut, das entsprechende Werk von Bernd Heinrich zu lesen, das einfach nur  "Laufen" heißt - wobei man fairerweise den Zusatz "Geschichte einer Leidenschaft" hier nicht vergessen darf. Es handelt sich hier, im Vergleich zu Murakami, um einen eher nüchternen, teilweise sogar wissenschaftlichen Ansatz, was nicht groß verwundert, da Heinrich schließlich Professor für Biologie an der Universität von Vermont ist. Er ist allerdings auch ein unglaublich guter Läufer und es ist zum einen höchst spannend zu lesen, wie er sich auf seine Höchstleistungen und Extremläufe (100 km) vorbereitet und zum anderen äußerst interessant, was man darüber erfährt, welche Rolle Ausdauer und Bewegung in der Biologie spielen. Wie versorgen sich zum Beispiel Insekten, wie unterscheidet sich die Antilope von der Raubkatze und wie können Vögel die beeindruckenden Distanzen zurücklegen, die man jedes Jahr beobachten kann? Sicher kommt es dem Lesevergnügen zugute, wenn man eine gewisse Affinität zum Ausdauersport hat. Dies vorausgesetzt, macht das Buch aber sehr viel Spaß und man kann auch noch etwas lernen. John Greene DAS SCHICKSAL IST EIN MIESER VERRÄTER 336 Seiten Foto 1-1Die Geschichte zweier Jugendlicher, die an Krebs erkrankt sind und sich ineinander verlieben. Das ist kein einfacher Stoff, und man weiß, dass die Geschichte nicht wirklich "gut" ausgehen kann. Aber Greene erzählt diese Geschichte so, wie seine Figuren ihren Alltag leben: Realistisch, nüchtern dem ungleichen Gegner - ihrer Krankheit - gegenüber und dennoch nicht fatalistisch. Natürlich:  Es ist ein trauriges Buch, das aber die schönen Momente, die es in einem Leben voller Trauer und Ungewissheit auch geben muss, nicht ausspart, und sie ebenso und gleichberechtigt erzählt, wie die Momente, in denen man auch als Leser seine Tränen weinen muss. Das Buch ist seit Wochen auf Platz 1 der Bestsellerlisten - und genau dort gehört es auch hin.   Miriam Pielhau RADIERGUMMITAGE 352 Seiten Foto 3Um es gleich zu sagen: "Radiergummitage" zählt mal wieder zu der unsäglich blödsinnigen Kategorie der Frauenromane - eine Schublade, in die ich längst ohne schlechtes Gewissen greife, weil es viel zu viele gute Bücher gibt, die durch diese Bezeichnung völlig unnötig degradiert werden. Und auch beim Romandebüt von Miriam Pielhau bin ich froh, dass ich das Etikett in keiner Weise beachtet hatte. Ja, es geht um eine Frau. Um eine Frau, die nach ihrem 35. Geburtstag versucht, den Sinn des Lebens und des Alltags für sich zu finden und sich bestimmte Aufgaben stellt (und gestellt bekommt), um sich von der Tatsache abzulenken, dass auch sie älter wird. Sie macht dabei spannende Erfahrungen, die neben einem hohen Unterhaltungswert keine Angst vor Tiefsinn haben. Besonders schön ist der originelle und kurzweilige (Sprach-)Stil, in dem Pielhau die Geschichte erzählt. Die Krone des Ganzen setzt schließlich das Ende des Romans auf, der die Leser durchaus nachdenklich die letzte Seite umblättern lässt und das noch lange nachwirkt.   Tommy Jaud HUMMELDUMM 320 Seiten Foto 2-1Eine Deutsch-Österreichische Reisegruppe in Namibia. Zwei Wochen. Und man selbst mittendrin. Und nicht nur das: Man muss sich dabei auch noch um die Organisation einer Wohnung kümmern und ist auf Telefon und Internet angewiesen. Diese Geschichte erzählt "Hummeldumm", die witzig ist, in der man sich bisweilen vielleicht wieder erkennt, und bei der man immer wieder denkt: "Oh, so jemanden wie den nervigen Österreicher, der immer seine blöden Witze anbringen muss, kenne ich doch". Eine Gruppe von unterschiedlichen Menschen auf engstem Raum in fremden Gebiet. Jaud entscheidet sich für Slapstick und geht leider nicht wirklich tief in die Persönlichkeiten. Es ist ein durchaus unterhaltsames Buch, aber eines, das man tatsächlich am besten am Strand liest. Zum Nachdenken lädt es nicht gerade ein. Außerdem wirken viele Gags und Situationen arg konstruiert. Nett ist es, so wie Carlos, der einem von der Umschlagseite und als Daumenkinoprotagonist angrinst.   David Safier JESUS LIEBT MICH 302 Seiten Foto 2Wie man das von Safier gewohnt ist, erzählt auch dieses Buch eine (Liebes-)Geschichte, die so absurd ist, dass sie schon wieder gut, zumindest aber interessant ist und deshalb neugierig macht. Diese Neugier wird nicht enttäuscht. Marie verliebt sich in Jesus, DEN Jesus, der auf die Erde zurückgekommen ist, und der wissen möchte, wie die Menschen heute so leben, da die "Endschlacht" kurz bevor steht. Auch Erzengel Gabriel und Satan weilen unter den Lebenden - um sich auf das Jüngste Gericht vorzubereiten. Es entstehen durchaus witzige Dialoge und Situationen über die man, nachdem man darüber gelacht hat, auch ein bisschen nachdenken kann. Ein kurzweiliges Buch, das eine völlig unrealistische Situation so erzählt, als ob sie eben doch gar nicht so unrealistisch sei. Und wer weiß... Wer dringende Lesetipps hat: Gerne auf Twitter an @LudwigR oder in die Kommentare.      

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.