LilaBlog

DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

Weiß jemand was gegen Internet?

Sucht.jpg.scaled1000Es gibt Menschen, deren erster Gang nach dem Klingeln des Weckers der zur Kaffeemaschine ist. Honore de Balzac hat der Legende zufolge 50 Tassen Kaffee am Tag getrunken, und damals gabs noch keine fein abgestimmten Kapseln mit einem "besonderen Bouquet von schwarzen Johannisbeeren" oder "raffinierten Wildfrucht-Nuancen". Heute würde man ihn wahrscheinlich als koffeinsüchtig bezeichnen. Ich gehe auch relativ bald nach dem morgendlichen Aufstehen zur Kaffeemaschine. Davor aber, nachdem ich mit einem eleganten Slide den Wecker meines iPhones deaktiviert habe, öffne ich den Twitter-Client. Ich trete also quasi aus dem Bett direkt hinein ins Internet. (Erster Beweis.) Wenn das Wetter passt und der Kaffee seine Wirkung als Muntermacher entfaltet hat (die, glaubt man den neuesten Studien, wahrscheinlich nur ein Placeboeffekt ist) schnüre ich meine Laufschuhe, packe das iPhone ins Armband und öffne meine runtastic-App, um den anstehenden Lauf online mitzutracken. Wenn ich besonders gut gelaunt bin, fordere ich meine Facebook-Freunde und meine Twitter-Follower, denen oft mein erster Morgengruß gilt, weil meine reale Familie noch schläft, zum Anfeuern per Klick oder Mention auf. Dann wird die Musik während des Laufs immer wieder durch lustige Jubelrufe meiner virtuellen Fangemeinde unterbrochen. (Zweiter Beweis.) Nach dem Lauf werden Distanz, Zeit und durchschnittliche Geschwindigkeit direkt aus der App heraus vertwittert. (Dritter Beweis.) Kurz bevor es dann auf den Weg ins Büro geht, wird die passende Playlist für die Fahrt ausgewählt und über Simfy auf das mobile Endgerät geladen. (Vierter Beweis.) Wenn ich mich dann bei der Arbeit auf etwas besonders konzentrieren muss, greife ich gerne zum Kopfhörer, suche mir die passende Musik aus und streame sie (selbstverständlich legal - denn es gibt solche Angebote schon - oh ja!!!) über Mac, iPad oder iPhone direkt am Arbeitsplatz. (Fünfter Beweis.) Und Abends dann, wenn man noch auf eine Veranstaltung, eine Party oder zu einem anderen gesellschaftlichen Event geht, kommt es durchaus vor, dass man sich mit den Anwesenden real, per Twitter und über Whats App oder iMessage austauscht, Fotos quasi in Realtime auf Facebook postet und gern mal kommentiert, liket oder teilt. Wenn ich jemanden kennenlerne, frage ich nicht mehr unbedingt gleich nach der Visitenkarte oder sowas wie ner Telefonnummer, sondern erstmal nach dem Twitternamen ("Hi, ich bin @LudwigR !") oder dem Facebookprofil (Beweis Nummer 6,7,8...) Und dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus meinem Leben, der aber schon genug Beweise in wenigen Leseminuten liefert. Genug Beweise für den eindeutigen Befund : Ich bin internetsüchtig. Das hat sich schon zu meiner Studienzeit angedeutet, als ich schwer computerspielesüchtig war. Ich war von dieser Krankheit so sehr betroffen, dass ich auf der Playstation2 mit dem 1.FC Nürnberg die Champions League gewonnen habe (sic!) Dies ist, wie sich jeder gesunde, nicht-computersüchtige Leser vorstellen kann, nur durch äußerst exzessiven Gebrauch der Spielkonsole möglich. Die Computersucht ist geblieben - vor allem wegen des Internets. Ich werde nicht mehr davon weg kommen. Und ich stecke andere Menschen damit an. Meine Tochter sagt nicht mehr, dass sie etwas in einem alten übelriechenden zerfetzten Lexikon nachsehen muss, wenn sie etwas nicht weiß, sondern dass sie es "googelt. Und sie will nicht mehr nur das ausgeblichene "Mensch Ärgere Dich nicht" spielen, dass sich langsam in der Spielekiste von selbst zersetzt, sondern "Angry Birds"! So, oder so ähnlich, ist es. Und es wird nicht aufhören. Ich komme nicht mehr weg davon. Vielleicht sollte ich es einmal mit dem Rauchen, oder mit regelmäßigem exzessiven Alkoholkonsum versuchen, um endlich wegzukommen von diesem Internet. Andererseits: So what? tl,dr; Muss mal googeln, ob es was gegen Internet gibt.

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