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DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

Wenn einer sagt, er wähle nicht…

Es ist schon ein paar Tage her, da hat sich Django Asül, ein nicht unbekannter Kabarettist - sagen wir also: ein Promi - dazu bekannt, im September nicht zur Wahl zu gehen. Für mich zumindest war sowas neu. Bisher kannte ich Promis, die eine bestimmte Wahlenpfehlung ausgesprochen haben oder sogar selbst ein politisches Mandat anstrebten. Und zur letzten Bundestagswahl gab es eine recht originelle Kampagne, in der Promis auf den ersten Blick zum Wahlboykott aufgerufen haben, es aber genau anders meinten. Und jetzt gibt es also auch Promis, die sich hinstellen und sagen: "Nö, wählen geh ich nicht" - und die das auch so meinen. Aha... Fairereweise muss man sagen: Bisher gibt es allerdings erst einen solchen Promi. Ich bin wieder darauf gekommen, weil ich auf der Facebookseite des Münchner Oberbürgermeisters ein Foto von ihm und Herrn Asül gesehen habe. Und da war ich mir nicht zu schade, einen entsprechenden Kommentar zu hinterlassen, der leider nicht beantwortet wurde.

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Die Frage ist also: Darf jemand, der in einem gewissen öffentlichen Rampenlicht steht, sagen, er nehme an einer Bundestagswahl nicht Teil? Die Antwort ist formal und objektiv natürlich klar: Selbstverständlich darf er das. Und er darf das, weil wir in einer Demokratie leben, in der es das Recht auf freie Meinungsäußerung gibt. Und natürlich darf man sagen, dass man sich an einem der wichtigsten Elemente dieser Demokratie nicht beteiligen möchte. Nur: Besonders intelligent ist das nicht. Ich finde es sogar ziemlich dumm. Und mindestens genauso absurd finde ich die Begründung: Herr Asül sagt, er sei ja schließlich neutraler Beobachter. Da könne er doch nicht zum Wählen gehen. Das ist ungefähr so, als würde ich einem Fahrkartenkontrolleur im Öffentlichen Nahverkehr sagen, bezahlen würde ich nicht, denn ich fahre ja nur U-Bahn, um mir die Leute anzusehen. Während anderswo auf der Welt junge Frauen um ihr Leben fürchten müssen, weil sie für ihre Rechte kämpfen, während unterdrückte Völker unter (social-) medialer Beobachtung versuchen, sich gegen ihre Unterdrücker zu wehren, in der Hoffnung, irgendwann einmal auch so etwas wie Demokratie leben zu dürfen, gibt es bei uns Künstler, die sich öffentlich diesen Prozessen einer freien Gesellschaft entsagen. Das Wahlrecht ist eines großartigsten Dinge, die wir haben und es ist eben leider nicht selbstverständlich. Das alles ist nun wirklich nichts Neues mehr. Und die Wichtigkeit einer Wahl zu erklären scheint schon fast ebenso absurd und überflüssig, wie der Hinweis, dass man vom Autofahren nicht abnimmt und Rauchen nicht zwangsläufig lebensverlängernd wirkt. Aber solange dieses Wahlrecht öffentlich marginalisiert und Politik als nervige und kaum ernstzunehmende Nebensächlichkeit vermittelt wird, muss man diese Erklärung und das Plädoyer für die demokratischen Teilhabe eben immer und immer wieder abgeben. Wenn ein Politiker auch nur ansatzweise den falschen Ton trifft, wenn er auch nur irgendetwas macht, das nicht ganz der allgemeinen Vorstellung von was auch immer entspricht, muss er mit einem Online-, Print- und Fernseh-Shitstorm rechnen, dass es nur so kracht. Wenn dagegen einer wie Django Asül - der, ganz nebenbei bemerkt ja auch politisches Kabarett macht vor gar nicht so langer Zeit auf dem Münchner Nockherberg die berüchtigte Fastenpredigt hielt - natürlich als ganz neutraler Betrachter- wenn er also sagt, er gehe mal eben nicht zur Wahl, dann kümmert sich kaum einer darum, welche Folgen eine solche Aussage für das Politikverständnis von Menschen haben könnte, die so etwas lesen. Vielleicht nimmt ihn auch einfach keiner ernst. Hoffen wir's...

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One thought on “Wenn einer sagt, er wähle nicht…

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