LilaBlog

DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

Wie krank kann man eigentlich sein, um zu laufen?

img_5581.jpgIm Moment stecke ich mitten in der Marathonvorbereitung für den Berlin Marathon Ende September und hatte letzte Woche eine relativ intensive Trainingswoche hinter mir, die dann noch mit einer für viele "Laufsüchtige" bekannten schwierigen Entscheidung endete: Es ist Samstagmorgen und ich absolviere 21 Kilometer in gemäßigtem Dauerlauftempo. Alles wie gehabt, 20 Kilometer sind mein gewöhnliches Tagespensum - meistens liege ich etwas drüber. Es ging gut. Gegen Mittag spüre ich dann aber, dass die Glieder ungewöhnlich schwer werden und ich merke, dass mein Kopf sich irgendwie warm anfühlt. Dazu etwas Husten, die Nase läuft nicht direkt, aber fühlt sich nach aufkommendem Schnupfen an. Am Nachmittag verstärkt sich das zuvor angedeutete Kältegefühl. Ich friere. Ich messe Fieber und das Thermometer zeigt: "37,3". Erhöhte Temperatur, Gliederschmerzen. Und das Hoffen, dass es keine Grippe ist. Am Abend keine Besserung. Das Thermometer schwankt zwischen 37,3 und 37,6. Die Glieder bleiben schwer. Der Abend wird auf der Couch verbracht und genervt lege ich fest: Das Training wird unterbrochen. Laufen mit erhöhter Temperatur - ein absolutes No Go. In der Nacht schwitze ich, wechsle die Schlafklamotten. Am nächsten Morgen wache ich auf, den Wecker hatte ich am Abend zuvor absichtlich abgestellt, und... fühle mich ziemlich gut. Ich messe die Temperatur: 36,3. Ich bewege mich, mache Kaffee, schlucke und prüfe den Hals. Ich schwitze nicht, ich friere nicht. Die Sonne scheint und der Himmel ist blau. Es ist, als wäre nie etwas gewesen. Ich gehe laufen. Ich gebe zu, das war keine einfache Entscheidung, wie immer, wenn Vernunft auf Gefühl stößt. Erstere (Spaßverderberin Nummer Eins und doch nicht immer schlechteste Ratgeberin der Welt) erhob den Zeigefinger und warnte: "Mindestens ein oder zwei Tage Ruhe! Der Körper muss sich erholen. Mach es nicht noch viel schlimmer". Das Gefühl aber sagte: "Du fühlst Dich gut. Geh raus, laufe und kuck, wie es geht. Geht es nicht, hörst Du einfach auf. Geht es gut, lauf!" Ich habe (mal wieder) auf mein Gefühl gehört und habe es (mal wieder) nicht bereut. Davor allerdings habe ich noch meine Herzfrequenz überprüft. Der ganz große Abenteurer bin ich halt auch nicht. Aber auch hier: Alles wie es sein sollte. Es lief tatsächlich fantastisch und ich wollte eigentlich gar nicht mehr aufhören. Ich lief nicht schnell - soviel Disziplin konnte mir die Vernunft dann doch noch diktieren - aber ich lief mit einem sehr guten Gefühl gute 23 Kilometer weit. Jeder Läufer kennt diese Fragen: Laufen mit Erkältung oder nicht? Und wenn ja, wie lange, wie schnell und wie weit? Ab wann wird es gefährlich, etwa für das Herz? Aus eigener Erfahrung kann ich für mich Folgendes sagen, ohne hier in irgendeiner Weise Ratschläge erteilen zu wollen (davon gibt es viel zu viele im Netz), sondern lediglich, um zu beschreiben, welche Regeln ich für mich in den letzten Jahren entwickelt habe: - Bei leichtem Husten: Weiter trainieren, solange man während des Trainings nicht husten muss uns der Reiz eher aus dem oberen Bereich und nicht aus der Lunge kommt. - Bei Schnupfen habe ich bisher immer weiter trainiert (je nach Verfassung intensiv oder weniger intensiv). - Bei leichten Kopfschmerzen (kein stechender Schmerz): langsam beginnen. Bleiben die Schmerzen oder werden schlimmer: Training abbrechen. Hören sie auf, moderat weiterlaufen. Hatte ich bisher nur ein- oder zweimal. Von stärkeren Schmerzen bin ich glücklicherweise bisher verschont geblieben. (*Klopft auf Holz*) - Bei Fieber: Absolutes Trainingsverbot. - Grundsätzlich kein Training bei Medikamenteneinnahme (außer Nasentropfen oder Erkältungstees). - Vor einigen Jahren hatte ich mal stärkere Schmerzen im linken Brustbereich: Die Alarmglocken gingen an (Herz!) und ich ging zum Arzt. Es stellte sich heraus: Es kam vom Rücken, der verspannt war. Bei starken Brustschmerzen also ist ein Arzttermin angesagt. - Bei Halsschmerzen: kein Training. Insgesamt verlasse ich mich vor allem auf mein Körpergefühl (was übrigens auch für Muskeln und Gelenke gilt). Nach knapp 15.000 gelaufenen Kilometern glaube ich, meinen Körper ganz gut zu kennen. Das heißt zum Einen: Läuft es (inklusive der Nase), lass es laufen. Zum Anderen aber auch: Läuft es nicht, läuft es eben auch mal nicht. Dazu sollte man auch grundsätzlich immer wieder mal überprüfen, ob alles wirklich läuft: Vor Kurzem habe ich den sog. "Check 35" gemacht - einen umfassenden Gesundheitscheck, bei dem Blut- und andere Körperwerte gemessen werden: Alle Werte waren top. Demnächst steht noch ein Leistungstest auf dem Programm, inklusive Spiroergometrie. Ersteren zahlt die Krankenkasse für alle, die älter als 35 Jahre alt sind alle zwei Jahre komplett, man kann ihn ganz einfach bei seinem Hausarzt machen lassen. Letzteren (den Basis- oder den erweiterten Leistungstest) zahlen die Kassen anteilig. Solche Tests sind nicht nur empfehlenswert, um seine Gesundheit im Blick zu haben, sondern können auch unglaublich motivierend sein: Sie sind eine Art Lebenszeugnis, die einem auf dem eigeschlagenen Weg bestätigen oder korrigieren. Mit diesem beschriebenen Rezept bin ich bisher gut gefahren. Zu den Vorteilen des Laufens gehört es, dass man seinen Körper lesen lernt. Liest man aufmerksam, schadet man ihm auch nicht. Und man kann sich die Lektüre von Tausenden von Netz-Tipps sparen. Unbezahlbar.      

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