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DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

YO ist wie DADA – blöd ist es nicht

FotoYO Eigentlich ist das Digitale Zeitalter DAS Zeitalter für Linguisten. Das Paradies, auf das viele vielleicht noch warten oder sich fragen, ob es das überhaupt gibt und wie es aussehen mag: für Sprachwissenschaftler ist es schon da und wird immer reicher an Früchten. Die jüngste Frucht ist unscheinbar und doch so kostbar wie eine Ambrosia-Flatrate: Yo! Ein Wort – ach was: Nicht einmal das. Ein emphatischer Ausdruck, ehemals ein Füllwort, das die Älteren unter uns noch im Zusammenhang mit Grußformeln a la „Hey yo, whazzz up?“ kennen, oder zu Deutsch: „Hey yo, was geeeeeeed’n, Alder?“ Ab sofort ist dieses Zweibuchstaben-„Wort“, das schon fast vergessen schien, wieder da. Stärker als je zuvor. Denn hatte es früher so gut wie keine, oder höchstens nebensächliche, vielleicht bestätigende Bedeutung, kann es heute alles heißen, kann Wortkonkurrenten oder sogar ganze Phrasen ersetzen. Ist man verabredet, schickt man keine SMS mehr und schreibt „ich bin da“ – nein, man tapt auf die betreffenden Usernamen und... Yo! Geradezu lächerlich und nun endgültig dem Tod geweiht sind die hölzernen Standard-Antworten, die manchmal leicht unhöflich wirkenden Minitextbausteine, die einst vom Handyhersteller voreingestellt waren: „Ich rufe gleich zurück“, „Bin in einem Meeting“,  „Die Antwort ist Ja“. Sinnbefreit jedenfalls ist Yo nicht. Im Gegenteil. Es feiert das Krytptische und zwingt die Nutzer geradezu zu intensivem Nachdenken: „Was will mir dieses Yo sagen?“, „Was könnte damit gemeint sein?“, „Worauf bezieht es sich?“: Gruß? Nachricht? versteckte Botschaft? Warnung? Liebesbeweis? Die brotlose Zeit der Interpretationskünstler ist vorbei und Kommunikation ist zwar kurz, aber doch so vielsagend. Man lernt wieder, dass Sprache, so minimalistisch sie geäußert wird, mehr Ebenen hat, als nur die offensichtliche. Wir feiern ein neues Zeitalter der Semantik! Verbindlich ist das Yo natürlich nicht, „klar“ und „deutlich“ sind keine Kategorien des Yo. Es schafft eine gewisse individuelle Wirklichkeit, je nach Interpretationsergebnis. Jeder liest darin was er lesen möchte, oder was er hofft, glaubt oder befürchtet, darin lesen zu müssen oder zu dürfen. Yo ist eine so etwas wie eine Dadaisierung unserer Kommunikation. Yo. Yo. Und zur Not kann man ja dann doch noch eine SMS hinterherschicken. Für diejenigen, die von "YO" hier jetzt zum ersten Mal lesen, gibt es bei TechCrunch die wichtigsten Informationen. Die YO-App gibt es hier Bei YO findet man mich unter LUDWIGR.

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