LilaBlog

DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

Zwangsouting – too much information!

Derzeit findet wieder so eine Debatte statt - die eigentlich keine sein sollte, und die eigentlich auch keine Kommentierung wert ist. Aber da wir uns ja schon so gut wie im Sommerloch befinden...

Zwangsouting.jpg.scaled1000"Zwangsouting" hat also im Moment einen eigenen Hashtag, weil die Taz eine Person des öffentlichen Interesses auf äußerst fragwürdiger Basis, nämlich eines durchweg unverfänglichen Interviews, eben zwangsgeoutet hatte (liebe Kollegen vom Sprachwissenschatlichen Institut der Uni Darmstadt: Bitte dringend für die engere Auswahl zum "Unwort des Jahres" notieren!).

Die TAZ fühlt sich in Person ihrer Chefredakteurin dazu veranlasst, sich für die Aktion zu entschuldigen (vielleicht vorher mal nachdenken), und Queer.de findet es gar nicht gut, dass die TAZ sich in Person ihrer Chefredakteurin dazu veranlasst sieht, sich für die Aktion zu entschuldigen...

Allein die Bezeichnung "Zwangsouting" zeigt da ja wohl schon, dass dabei irgendetwas nicht stimmen kann. Denn wenn man im Jahre 2012 noch etwas gut finden kann, das mit Zwang zu tun hat, wenn man es richtig findet, jemanden zu einer Aussage oder zu einem Bekenntnis zu "zwingen", dann sollte man sein Moral- und Wertesystem vielleicht grundsätzlich einmal daraufhin überprüfen, ob es noch in das Jahrhundert passt, in dem man sein Leben gerade so verbringt. Um das Ganze abzukürzen: Es ist mir völlig, wirklich völlig egal, ob Politiker, Fernsehköche, Moderatoren, Fußballer, Sänger oder der Obsthändler in der Nymphenburgerstraße in München schwul sind. Bezogen auf diesen Querschnitt von Personengruppen des öffentlichen Interesses kann ich sagen: Ich möchte frisches Obst, gute Musik, dass mein Verein gewinnt, einen gelungenen Fernsehabend, dass das Essen auch nachgekocht noch schmeckt und dass ein Politiker ein guter Politiker ist, der mich in den Parlamenten angemessen und gewissenhaft vertritt. Wenn jemand sagen möchte, dass er homosexuell ist, dann ist das sein gutes Recht und ich finde das gelinde gesagt: unspektakulär. Wenn jemand für die Rechte von Lesben und Schwulen eintritt, dann ist das auch sein gutes Recht und dann macht es auch Sinn, über entsprechende Forderungen zu diskutieren. Dann spielt sexuelle Orientierung der Vertreter vielleicht sogar eine nicht unwesentliche Rolle, weil man dann Argumentationen besser nachvollziehen kann. Aber auch dann ist es eher ein "nice to know" als ein "need to know". Wenn jemand aber einfach gar nichts zu seiner sexuellen Orientierung, zur seiner religiösen Einstellung oder zu seinem Gesundheitsbild sagen möchte, noch dazu in einem öffentlichen Diskurs dann ist das ebenso so sein Recht. Jemand, der schwul ist kann die Gleichstellung von Ehe und gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaft ebenso ablehnen, wie sie ein Hetero befürworten kann. Wenn sich ein Politiker nachweislich von Interessensvertretern bestechen lässt, wenn ein Lehrer seine Schüler schlägt, wenn ein Pfarrer sich an Kindern vergeht: Dann muss das an die Öffentlichkeit gebracht werden, weil es gesellschaftlich relevant ist und anderen ernsthaften Schaden zufügt. Die sexuelle Orientierung eines Menschen im Hinblick auf seine Hetero- oder Homosexualität ist dies nicht und schadet niemandem. Lasst die Schlüssel zu den Schlafzimmertüren dieses Landes also doch einfach dort, wo sie hingehören und lasst uns in den sonnigen Sommer(loch)wochen einfach über gute Musik, schöne Bücher oder kleine und große Heldentaten sprechen, die sonst viel zu wenig Beachtung finden.

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