LilaBlog

DIe Welt extrem subjektiv betrachtet

2019 – Meilensteine und Planänderungen

Natürlich bin ich nicht derjenige, der den Reigen der Jahresrückblicke eröffnet. Der von Spotify ist schon da und auch Strava präsentiert mir bereits mein „Sportjahr 2019“. Und seit Wochen wartet man gespannt darauf, ob man zuerst Wham oder “All I want for Christmas” von Mariah Carey hören muss. 

Aber irgendwie gehört das dann eben dazu. So wie das Plätzchenbacken, Geschenke bei Amazon zu bestellen, das Wohnzimmer zu dekorieren oder die Best of-Playlist für den letzten langen Lauf zu kuratieren.

Nun also… 

Das Projekt 100k

Es dürfte im Sommer 2018 gewesen sein, dass ich mich entschlossen habe, in diesem Jahr die 100-Kilometer anzugehen, oder besser anzulaufen. Und irgendwie – vermutlich über einen der einschlägigen Podcasts – bin ich auf den WHEW100 in Wuppertal gestoßen: Frühjahr, flache Strecke und zu einem großen Teil Asphalt. Perfekt.

An Motivation hat es mir nicht gefehlt und nach einem doch recht harten Training im Sommer als Vorbereitung für den Berlin Marathon, hatte ich auch wirklich Lust darauf, von Geschwindigkeit auf Ausdauer umzuschalten und mich statt auf Tempo mehr auf die Länge der Läufe zu fokussieren. 

Meine erste Ultraerfahrung hatte ich mit den 50 Kilometern in Rodgau ja bereits Anfang 2018 gemacht, verglichen mit dem Wechsel auf die 100k-Distanz war dies aber dann doch nur ein sehr kleiner Schritt. Und weil ich selbst gespannt war, wie sich die Monate vor dem Rennen so gestalteten, wie ich mit dem Training klar kommen würde und wie es mir dann am großen Tag der Wahrheit gehen würde, habe ich Daniel von Laufen Liebe Erdnussbutter kontaktiert. Er hatte das Gleiche vor wie ich, und wir fragten uns, warum wir eigentlich für uns behalten sollten, was wir läuferisch so planten. 

Und so entstand das Projekt zum Projekt, der Podcast zum Rennen, der LL100k, wo wir uns regelmäßig über unsere Erfahrungen auf unserem athletischen Weg nach Wuppertal austauschten. 

Daniel und ich. Danach.

An dieser Stelle soll nun kein Rennbericht stehen, denn den gibt es ja bereits. Stattdessen folgender Spoiler, der in einem Jahresrückblick aber eigentlich keiner ist: Das Debut ist geglückt, es war ein großartiger Tag und nach 8:14:14 war ich im Ziel. Glücklich, erschöpft, dankbar und entschieden, dass dies kein Schlusspunkt, sondern der Auftakt zum Ultralaufen als neue Disziplin in meinem Läuferleben sein soll. 

Es war Mai und das Jahr hatte schon so einige Geschichten geschrieben: Sportliche Enttäuschungen gehörten ebenso dazu – eine schlechte Zeit und ein eher katastrophales Rennen in Rodgau – wie intensive Trainingserfahrungen, die einem ganz neue Seiten des mentalen Durchhaltevermögens offenbarten: Die für mich legendären 60 Kilometer vom Tempelhofer Feld. Ungeschützte Runden bei kaltem Sturm, Regen und Hagel. Die härtestes Trainingseinheit, die ich bis dato lebt hatte.

Und dann war da noch Heiko, der mich nicht nur im Training immer wieder begleitete, sondern auch noch die Reiseplanung, die Komplettversorgung auf und neben der Strecke übernommen hat – inklusive Radbegleitung am Renntag, Pastaparty am Vorabend im zum „Ravemobil“ umbenannten Camper und veganem Magnum auf der Rückfahrt. Das Team stand unverrückbar. 

Heiko. Mehr muss man nicht sagen.

Der WHEW100 war ein Meilenstein und doch auch ein Kapitelende, das auch zum Jahr gehört. Mein Coach Andreas und ich gingen von da ab getrennte Wege und die 100 Kilometer von Wuppertal waren ein würdiger Abschluss einer mehrjährigen guten Zusammenarbeit. 

Nach etwa zwei bis drei Wochen Regeneration ging es dann Richtung Herbstmarathon, der mein zweites Jahreshighlight darstellen sollte. Und das mit neuem Team: Enter Adrian.

Zieleinlauf in Wuppertal. 100k.

Der Berlin Marathon 2019

Nach einer Analyse des WHEW war die Entscheidung schnell getroffen: Die Konzentration würde jetzt voll und ganz auf den Berlin Marathon Ende September liegen. Und dabei konnte es nur ein Ziel geben: Endlich die 2:40:00-Marke zu knacken. Dazu blieben fast 18 Wochen Zeit für die Vorbereitung – beste Voraussetzungen, um ein gutes Training zu gestalten.  

Der Auftakt dafür war der Firmenlauf in Berlin, ein 5,5 KM – Rennen, das zwei Wochen nach Wuppertal stattfand. Es lief nicht fantastisch, aber es hat mir immerhin gezeigt, dass die Beine wieder bereit waren. Die kurzen Distanzen liegen mir ohnehin nicht, aber mir Körper und Kopf gaben mir das Startsignal für das Marathontraining. Und das hatte ich mir erhofft.

Der Entschluss, uns komplett auf den September zu fokussieren, bedeutete, dass ich mich gegen den Brüder-Grimm-Lauf im Juni entscheiden musste, den ich noch nicht ganz aus dem Hinterkopf verbannt hatte. Er hätte aber die Pläne durcheinander geworfen und zu viel Kraft gekostet. 

Das einzige Rennen, das auf dem Plan stand, war der Berliner Statdtlauf, der längst nicht mehr Stadtlauf, sondern “RUN BLN” heißt und der zur deutschlandweiten Sportscheck Laufserie gehört, der ich seit 2004 verbunden bin (wenn ich das richtig in Erinnerung habe, war das damals noch in München mein Halbmarathon-Debüt). Das Ergebnis war ok, aber letztendlich „nur“ ein Baustein in der gesamten Marathonvorbereitung. Weit weg von einer PB weg, aber nicht so schlecht, um enttäuscht zu sein. Letztendlich also nicht weiter der Rede wert.

Der Sommer 2019 war ein Sommer mit einer sehr klaren Route, einem sehr konkreten Ziel und neuen Trainingsreizen und -ansätzen, die diesen Weg umso interessanter machten.

Zielgerade Berlin Marathon 2019.

Wir haben auf weitere Testrennen verzichtet, was mir sehr gut tat, weil ich dann nicht aus meinem Rhythmus kommen konnte. Ich bin auch sehr wenig auf die Bahn gegangen und die harten Einheiten habe ich in meinem Hauspark absolviert, was manchmal durchaus an meine Grenzen ging. Aber das war schließlich auch der Sinn des Ganzen.  

Der diesjährige Berlin Marathon war ein zweiter absoluter Höhepunkt, nicht nur des Jahres, sondern auch meines bisherigen Lauflebens. Mit einer Zeit von 2:37:05 war der zweite Meilenstein des Jahres 2019 erreicht – einer, der nicht folgenlos bleiben sollte, denn er hat meine Planungen nochmal deutlich umgeworfen.

So wird 2020 kein reines Ultrajahr – wie eigentlich gedacht –  sondern wird auch diesmal den Abschluss mit einem großen Marathon-Ziel finden. Zum ersten Mal nach sechs Jahren dann allerdings nicht in Berlin, sondern in Frankfurt.

Heiko. Adrian.

Danke.

Natürlich würde es noch so viel mehr zu erzählen geben: Zum Beispiel, dass ich meine Versorgung während eines Rennens komplett überdacht und geändert habe und das bisher zu wenig ernst genommen hatte. Oder meine erste Erfahrung als Pacer (Heiko bei der 50k-DM am Störitzsee).

Aber irgendwann muss man auch in einem solchen Jahresrückblick ein wenig selektieren. Denn an tollen Momenten mangelt es einem Laufjahr sicher nie.

Am Ende bleibt die Dankbarkeit. 

Dankbarkeit für ein weiteres Jahr ohne Krankheiten, Ausfälle oder Verletzungen. Für ein weiteres Jahr eines gesunden Geists in einem gesunden Körper. 

Dankbarkeit für ein Umfeld, das Verständnis hat für das Leben eines Athleten mit einem eher anspruchvollen Trainingsregime.

Dankbarkeit auch für die, die das kritisieren und Leidenschaft mit Verbissenheit oder Suche verwechseln. Danke, weil auch deren skeptischer Blick, eine vorgehaltene Hand oder ein geschüttelter Kopf motivieren und den eigenen Willen umso mehr befeuern kann. 

Dankbarkeit für die vielen Menschen, die das offensichtlich interessiert, was über mich auf Strava und hier so zu lesen ist und die die Wolke, auf der ich nach dem WHEW und dem Berlin-Marathon sitzen durfte mit ihren Glückwünschen und ihren lieben Kommentaren noch ein weniger höher gestupst haben. 

Ganz besonders und unbegrenzt aber bleibt die Dankbarkeit für das Team und für meine Lieblingsmenschen. 

Welcome 2020! Bring it on!     

Comments are currently closed.